Donnerstag, 15. November 2018

Staatsbeteiligungen Der Schatz der Griechen

Es müssen ja nicht gleich die Inseln in der Ägäis sein. Auch der Verkauf von Industriebeteiligungen würde Griechenland einige Milliarden Euro in die Staatskasse spülen. manager magazin präsentiert das Portfolio der Hellas AG.

Tausende Demonstranten haben in Griechenlands Hauptstadt die Arbeit niedergelegt. Haben Busse lahm gelegt und auch Flughäfen - und marschieren geschlossen auf das Parlamentsgebäude zu. Ihre Forderung an die Abgeordneten: Keine einschneidenden Sparbeschlüsse, um Griechenlands Haushalt in den Griff zu bekommen. Deshalb werden andere Möglichkeiten erwogen, um Geld in die Kasse zu bekommen. Eine davon ist Milliarden Euro schwer.

Der EU-Staat Griechenland verfügt noch über eine ansehnliche Sammlung von Staatsbeteiligungen, die er jetzt losschlagen könnte. Denn griechische Regierungen haben sich in der Vergangenheit weniger energisch von Unternehmen getrennt, um mit dem Verkaufserlös daraus die dicksten Haushaltslöcher zu stopfen - anders beispielsweise als die Bundesrepublik.

Sicher, deren Verkauf ist nicht von heute auf morgen zu stemmen. Denn nicht jedes griechische Unternehmen, an dem der Staat beteiligt ist, steht so gut da, dass es sofort Käufer für das entsprechende Unternehmen gäbe. Zudem wären die Verkaufserlöse auf die Schnelle wohl auch zu gering gemessen an dem eigentlichen Wert der Beteiligungen. Schließlich würden mögliche Investoren ihre Gebote möglichst niedrig ansetzen - im vollen Bewusstsein, dass Griechenlands Regierung aus purer Not dennoch auf den Handel eingehen müsste.

Doch die mögliche Finanzspritze durch den Verkauf großer Aktiengesellschaften, an denen der griechische Staat beteiligt ist oder die ihm sogar mehrheitlich gehören, würde der griechischen Regierung einen kleinen Geldregen bescheren.

Der griechische Staat ist derzeit beispielsweise noch an 8 der 49 größten Aktiengesellschaften des Landes beteiligt, deren Anteilsscheine im Athex-Composite-Index der Börse in Athen zusammengefasst sind, dem griechischen Pendant zum deutschen Aktienleitindex Dax. Allein die 34-Prozent-Beteiligung an der Glücksspiel- und Reisefirma Opap ist derzeit rund 1,7 Milliarden Euro schwer. Auf aktuell 1,5 Milliarden Euro beläuft sich überdies der Wert des 51-Prozent-Paketes des griechischen Staates an dem Stromunternehmen PPC. Und dessen 20-Prozent-Anteil an der Telefongesellschaft Hellenic Telecom (OTE) wird an der Börse in Athen derzeit mit etwa 900 Millionen Euro bewertet; an OTE ist auch die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen mit einem Anteil von 30 Prozent beteiligt.

Insgesamt summiert sich Griechenlands Staatsbesitz an bedeutenden Aktiengesellschaften des Landes auf stolze 5,5 Milliarden Euro. Gemessen an den jetzt nötigen Sparbeschlüssen des Landes ist das nicht zu unterschätzen. Es ist sogar mehr, als der südeuropäische Staat aktuell Abstriche an seinem Haushalt machen muss: Griechenlands Abgeordneten sollen im Laufe des Tages nämlich in einem Eilverfahren einen Sparplan in Höhe von 4,8 Milliarden Euro verabschieden. Denn Hilfe von außen hat das Land zumindest auf die Schnelle offenbar nicht zu erwarten.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) zum Beispiel lehnt deutsche Finanzhilfen für das klamme Griechenland strikt ab. Ministerpräsident Giorgos Papandreou habe vor seinem für den Abend geplanten Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, er wolle keinen Cent von Deutschland. "Die deutsche Regierung hat auch nicht die Absicht, einen Cent zu geben", sagte Brüderle am Freitag in Berlin."

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