Freitag, 30. September 2016

Pfund-Krise "Die Totenglocke wird geläutet"

Der Schuldenmeister Europas sitzt nicht in Athen, sondern in London. Der Pfund-Kurs sinkt. Nehmen die Märkte nach Griechenland nun Großbritannien ins Visier? Das Vereinigte Königreich ist als Nicht-Euro-Land flexibler als Hellas. Doch gerade deshalb könnte das Pfund erst recht abwerten.

Hamburg - Sterling-Krise. Schon das Wort, das wieder durch die Schlagzeilen der Londoner Presse geistert, weckt in Großbritannien böse Erinnerungen. Vor allem an den "Schwarzen Mittwoch", den 16. September 1992, als die Landeswährung Sterling aus dem später vom Euro beerbten Europäischen Währungssystem flog, weil die Regierung den Wechselkurs nicht mehr halten konnte.

Stolz der Nation: Das Pfund Sterling steht für die britische Unabhängigkeit - nicht zuletzt vom ungeliebten Euro
27 Milliarden Pfund an Devisenreserven hatte sie auf den Markt geworfen, den Leitzins von 10 auf 12 und noch am gleichen Tag sogar auf 15 Prozent hochgeschraubt, um eine zu starke Abwertung gegen die Deutsche Mark zu verhindern - alles vergebens. Der Stolz der Nation war verletzt, die Wirtschaftskompetenz der regierenden Konservativen für Jahre blamiert, Währungsspekulanten strichen Milliardengewinne ein - darunter George Soros, der ins öffentliche Gedächtnis einging als "der Mann, der die Bank von England ruinierte".

Nun also wieder: Sterling-Krise. Nach dem Euro Börsen-Chart zeigen ist im Zuge der Schuldenkrise auch das Pfund Börsen-Chart zeigen unter Druck geraten, fiel seit Anfang Februar von 1,60 Dollar unter die Marke von 1,50 Dollar. Selbst von der Schwäche des Euro profitiert Sterling nicht mehr. Gegen die europäische Gemeinschaftswährung pendelt das Pfund um 1,10 Euro, nicht mehr weit entfernt von der Parität. Zehnjährige Gilts, die britischen Staatsanleihen, werden zu mehr als 4 Prozent Zinsen gehandelt - ein satter Aufschlag von einem Prozentpunkt zu deutschen Bundesanleihen.

Credit Default Swaps zur Versicherung gegen den Zahlungsausfall fünfjähriger Gilts kosten 0,8 Prozent der Forderungssumme jährlich - immer noch weniger als die 1,1 Prozent in Italien oder 3,1 Prozent in Griechenland, aber ein deutlicher Risikoaufschlag zu den 0,35 Prozent für deutsche Bundespapiere.

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