Mittwoch, 24. Mai 2017

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Dax-Geflüster Riskantes Spiel der Pleite-Spekulanten

Griechenlands Gewicht in der Euro-Zone ist winzig. Dass die Probleme des Landes dennoch so stark auf den Dax durchschlagen, hat auch mit Versäumnissen der Finanzaufsicht zu tun. Banken, die mit Staatsgeld vor dem Bankrott bewahrt wurden, spekulieren nun auf den Bankrott von Staaten - im ungestörten "Over-the-Counter"-Geschäft.

Eigentlich hätte es eine gute Börsenwoche werden können. US-Notenbankchef Ben Bernanke sicherte der Anlegerschar zu, dass das Zinsniveau weiterhin nahe null und damit Geld billig bleibe. Zeitgleich zeigt die globale Konjunktur Anzeichen der Erholung, worauf auch die Zahlen von BASF Börsen-Chart zeigen aus dieser Woche hinweisen: Der weltgrößte Chemiekonzern spürt als einer der ersten, wenn Unternehmen weltweit wieder mehr investieren.

"Kontraproduktives Verhalten": Banken und Hedgefonds wetten auf Staatspleiten - und düpieren damit Fed-Chef Ben Bernanke, der mit billigem Geld die Wirtschaft stützen will
Doch aus der Kursrally in Dow Börsen-Chart zeigen und Dax Börsen-Chart zeigen wurde nichts. Die Weltbörsen wurden erneut durchgeschüttelt von der griechischen Schuldentragödie. Wenn in Griechenland Ärzte und Taxifahrer streiken, zittern inzwischen deutsche Aktiensparer um ihre Ersparnisse. "Gegen Griechenland hat auch Bernanke keine Chance", fasste ein Analyst der Commerzbank zusammen.

Wie bitte? Ein kleines Land in Südeuropa, das für gerade einmal 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung des Euro-Raumes steht, lässt die Bemühungen des Chefs der mächtigsten Notenbank der Welt ins Leere laufen? Ein Zahlungsausfall Griechenlands bleibe ausgeschlossen, betonten am Freitag noch einmal die Analysten der Kreditratingagentur Standard & Poor's. Dennoch irrlichtern Kurse von Anleihen, Euro und einigen Aktienindizes, als stünde das nächste Armageddon bevor.

"Öffentliche Krisen verschärfen, um privat zu profitieren"

Erneut sind Verstärker am Werk. Für Aufregung sorgte ein Bericht der New York Times, dass internationale Großbanken wie Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, J. P. Morgan Chase, UBS, Credit Suisse oder Société Générale auf eine Staatspleite Griechenlands spekulieren. Banken, die vor kurzer Zeit erst selbst durch Staatsgeld vor der Pleite gerettet wurden. Durch den Kauf von Kreditversicherungen (Credit Default Swaps), so die These, treiben Spekulanten die Refinanzierungskosten Griechenlands und die Nervosität am Markt in die Höhe - und profitieren, solange die CDS-Prämien weiter steigen.

"Die Verwendung dieser Instrumente in einer Weise, die ein Unternehmen oder ein Land absichtlich destabilisiert, ist offenkundig kontraproduktiv", sagte Bernanke am Donnerstag während einer Anhörung vor dem US-Kongress. Für einen Zentralbankchef, der jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, kommt diese Aussage einem Wutausbruch gleich. US-Senator Christopher Dodd, Vorsitzender des Bankenkomitees, wurde deutlicher: "Große Finanzinstitute verschärfen eine öffentliche Krise, um privat davon zu profitieren." Keine 18 Monate nach Lehman-Pleite und staatlicher Bankenrettung wird mit Kreditderivaten weitergezockt: Diesmal gegen einzelne Staaten.

Spekulationswelle: Wer fliegt als Nächster raus?

"Die Nervosität ist auch deshalb so hoch, weil sich die Spekulationswelle nach einer Pleite Griechenlands noch aufschaukeln würde", sagt ein Analyst einer deutschen Großbank. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass Griechenland aus der Euro-Zone herausfallen und mit einer stark abgewerteten eigenen Landeswährung seine Schulden bedienen würde, wäre den Wetten auf Staatspleiten kein Ende gesetzt.

"Die Spekulationen würden sich dann gegen die nächsten Kandidaten, also Portugal, Italien und Spanien richten", so der Analyst. "Dann fliegen dort die Credit Spreads auseinander, die Refinanzierung der ohnehin klammen Staaten würde teurer - und diese Staaten machen rund ein Drittel des BIP der Euro-Zone aus."

Dabei profitieren diejenigen, die rechtzeitig auf steigende Prämien der Kreditversicherungen setzen und ihre CDS-Kontrakte mit Gewinn weiterreichen. Ein richtig gutes Geschäft macht derjenige, der eine Kreditversicherung für griechische Staatsanleihen besitzt, wenn Griechenland tatsächlich pleitegeht. Die Spekulation auf einen schrittweisen Kollaps der Euro-Zone kann sehr lukrativ sein.

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