Dienstag, 17. Juli 2018

Euro-Krise "Die Deutschen bezahlen am Ende doch"

Europa ringt um eine Lösung für die von Griechenland verursachte Schuldenkrise. Kurzfristig ist das Problem nicht zu meistern, meint Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Centre for European Policy Studies - und fordert die Möglichkeit einer geordneten Staatsinsolvenz.

mm: Herr Gros, Europas Regierungschefs treffen sich am morgigen Donnerstag zu einem Sondergipfel. Was sollten sie dort mit Blick auf die griechische Staatskrise beschließen?

Daniel Gros ist Director des Centre for European Policy Studies (CEPS) in Brüssel. Der Ökonom schlägt analog zum Internationalen Währungsfonds einen Europäischen Währungsfonds vor. Der würde aus Beiträgen der Euro-Länder gespeist, deren Staatsschulden und -defizite die Grenzen des Maastrichter Vertrags überschreiten. Staaten in Finanznot könnten mit Mitteln des Fonds gerettet werden, bekämen im Gegenzug ein Sanierungsprogramm verschrieben. Im Pleitefall könnte der Fonds die geordnete Insolvenz, also eine anteilige Bedienung der Gläubiger des Landes aus dem Restvermögen, organisieren.
Gros: Nötig wäre, dass man sich auf das Schlimmste vorbereitet und Pläne entwirft für eine geordnete Insolvenz von Staaten. Doch das steht nicht auf der Tagesordnung, nach dem Motto 'Was nicht sein darf, das nicht sein kann'.

mm: Sie haben mit Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer einen Europäischen Währungsfonds vorgeschlagen, der ein solches Planinsolvenzverfahren leiten könnte. Das ist aber doch eher ein langfristiges Vorhaben.

Gros: Die Grundlage dafür könnte man innerhalb eines Jahres schaffen und dann die Probleme besser angehen. Für Griechenland glaube ich nicht, dass das Schicksal sich in den nächsten Wochen entscheiden wird. Staaten haben ja nicht so einen großen Finanzierungsbedarf wie Banken zum Beispiel.

mm: Aber viele griechische Anleihen werden in den kommenden Monaten fällig, speziell im April und Mai. Diese Schulden müssen dann erneuert werden.

Gros: Ja, aber es handelt sich um begrenzte Beträge, rund 50 Milliarden Euro in diesem Jahr. Selbst wenn Griechenland darauf 10 Prozentpunkte Risikoaufschlag zahlen müsste, wären das fünf Milliarden.

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