Dienstag, 28. März 2017

Staatanleihen Argentinien geht auf Gläubiger zu

Acht Jahre nach dem Staatsbankrott will Argentinien den Gläubigern seiner notleidenden Anleihen ein neues Angebot unterbreiten. Wer im Jahr 2005 die erste Offerte abgelehnt hatte, sollte sich jetzt allerdings nicht zu große Hoffnung auf bessere Konditionen machen. Mit argentinischen Staatsanleihen verloren deutsche Anleger bereits Milliarden.

Buenos Aires - Argentiniens Wirtschaftsminister Amado Boudou sagte der Nachrichtenagentur Reuters, voraussichtlich würden mehr als 60 Prozent der Gläubiger die neue Offerte annehmen. Privatinvestoren, die rund ein Viertel der noch ausstehenden notleidenden Bonds halten, werde die Regierung einen geringeren Abschlag anbieten. Sie würden zudem mehr Zeit zur Annahme der Offerte erhalten.

Keine Liebesbeziehung: Nicht nur deutsche Anleger fühlen sich von der argentinischen Regierung über den Tisch gezogen
Das Angebot werde eine siebenjährige Anleihe beinhalten, um die Investoren für entgangene Zinszahlungen zu entschädigen, sagte Boudou weiter. Die Umschuldung soll Ende Januar beginnen.

Mit dem neuen Vorstoß will sich Argentinien wieder Zugang zu den internationalen Anleihemärkten verschaffen. Das südamerikanische Land hatte sich 2001/2002 für zahlungsunfähig erklärt und Auslandsschulden im Volumen von rund 100 Milliarden Dollar nicht mehr bedient. Es war eine der größten Staatspleiten der Geschichte.

2005 mutete Argentinien seinen Gläubigern im Rahmen eines Umschuldungsangebots massive Wertverluste zu. Die Gläubiger hatten seinerzeit einen Abschlag ihrer Forderungen von durchschnittlich 50 Prozent akzeptiert.

Rund ein Viertel der Anleiheinhaber - darunter auch etliche deutsche Anleger - akzeptierten das Angebot nicht. Viele von ihnen versuchten, ihre Ansprüche gerichtlich durchzusetzen. Ihre Forderungen sollen sich auf rund 29 Milliarden US-Dollar belaufen. Die Regierung hat bereits wiederholt erklärt, das neue Angebot werde den Investoren keine besseren Konditionen bieten als die Offerte aus dem Jahr 2005.

Der ehemalige US-Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Robert Shapiro, hatte im Jahr 2007 die Verluste deutscher Privatanleger und Steuerzahler aufgrund der Umschuldung Argentiniens seit 2001 auf 6,4 Milliarden Euro geschätzt. Shapiro vertrat damals im Rahmen der US-Organisation AFTA die Interessen amerikanischer Gläubiger, vor allem institutioneller Anleger. Für die deutschen Gläubiger setzt sich unter anderem die Interessengemeinschaft Argentinien (IGA) ein.

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