Dienstag, 23. Mai 2017

Social Investing "Investieren statt Spenden"

Mit sozialen Investments kann man wesentlich mehr erreichen als mit herkömmlichen Spenden, sagt Frank Mattern. Im Interview mit manager magazin erklärt der Deutschland-Chef von McKinsey, wie das sogenannte Social Investing funktioniert - und wen die Unternehmensberatung unterstützt.

mm: Warum braucht unsere Gesellschaft privates Engagement im sozialen Sektor?

Frank Mattern, Deutschland-Chef bei McKinsey
Mattern: Privates Engagement bringt eine neue Perspektive in den sozialen Sektor. Stifter, Spender und Sozialunternehmer haben einen anderen Blick auf die drängenden Themen als staatliche Stellen, das ist eine gute Ergänzung. Hinzu kommt die finanzielle Seite, die gerade in Zeiten knapper Kassen auch nicht unwichtig ist.

mm: Wie steht Deutschland aus Ihrer Sicht im internationalen Vergleich da?

Mattern: Grundsätzlich ist jedes zusätzliche Aufkommen ein Gewinn, wenn es in die richtigen Kanäle gelenkt wird, insofern besteht auch in Deutschland immer Bedarf. Aber auch unsere Zahlen belegen: Beim sozialen Engagement liegen die Deutschen eher im Mittelfeld, besser schneiden zum Beispiel die USA, Schweiz, Schweden oder Großbritannien ab.

Mehr zum Thema in

manager magazin
Heft 01/2010

Soziale Investments
Viele Wohlhabende wollen mit ihrem Geld Gutes tun. Aber Sie spenden nicht mehr wahllos. Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 1/2010 ab Seite 106.

mm: McKinsey unterstützt Ashoka, eine Art Venture-Capital-Fonds für den Sozialsektor. Warum spenden Sie nicht einfach direkt?

Mattern: Aus drei Gründen: Erstens liegt uns die Idee von sozialem Unternehmertum näher als andere Formen des Engagements. Zweitens können wir mehr erreichen, indem wir den Helfern helfen - sozusagen eine Hebelwirkung. Und drittens hat es eine Signalwirkung, wenn wir diese richtungweisende Idee fördern.

mm: Welche gesellschaftlichen Vorteile hat soziales Investieren im Vergleich zum bloßen Spenden?

Mattern: Wenn ich mir als Geldgeber genau anschaue und anhand von Kennzahlen vorrechnen lasse, was exakt mit einem Projekt erreicht wird, dann erhöht das die Transparenz im Sozialsektor. Gute Ideen verbreiten sich dann schneller, andere Sozialunternehmer können die Erfolgsrezepte besser nachahmen. Dadurch gewinnen alle.

mm: Wie unterstützt McKinsey Ashoka?

Mattern: An ganz verschiedenen Stellen. Etwa als Sparringspartner beim Entwickeln von Ideen und beim Bewerten von Konzepten, mit persönlichem Einsatz von McKinsey-Beratern, die sich pro bono für Ashoka engagieren. Sogar die Geschäftsführung von Ashoka Deutschland hat ihre Arbeitsplätze in einem unserer Büros.

mm: Welche Kriterien sollte man prüfen, bevor man investiert?

Mattern: Generell würde ich mir im ersten Schritt einen Schwerpunkt für mein Engagement setzen, statt das Geld mit der Gießkanne zu verteilen. So erreicht man mehr. Im zweiten Schritt würde ich an die konkreten Projekte ähnliche Maßstäbe anlegen wie an jede andere Investition: Wo leistet mein finanzieller Einsatz das Maximum für meine sozialen Ziele - sprich: Welches Vorhaben ist am effektivsten und am effizientesten.

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