Mittwoch, 19. Dezember 2018

Finanzkrise Dubai will für Schulden nicht geradestehen

Das einstige Boom-Emirat Dubai brüskiert die Finanzwelt. Die Regierung von Dubai kündigte an, nicht für die Schulden der staatseigenen Holding Dubai World geradezustehen. Dies sei Sache der Gläubiger. Die Regierung sei zwar Eigentümer von Dubai World, die Holding sei jedoch nicht durch die Regierung abgesichert.

Dubai - Die Gläubiger müssten ihren Teil der Verantwortung tragen müssten, sagte ein hochrangiger Vertreter des Finanzministeriums. Die Nachricht belastete die europäischen Aktienmärkte, die bereits seit Mittwoch unter den Ankündigungen aus dem Emirat ächzen und eine zweite Welle der Finanzkrise fürchten.

Dubai Waterfront: "Große Verwirrung" zwischen der Regierung und der Holding Dubai World
Die Märkte in Dubai und Abu Dhabi brachen an ihrem ersten Handelstag nach den Berichten über einen Zahlungsaufschub bei Dubai World regelrecht ein. Abu Dhabi verzeichnete mit minus 8,3 Prozent den größten Tagesverlust aller Zeiten. Die Dubaier Börse verlor 7,3 Prozent, der größte Tagesverlust seit Oktober 2008.

Es gebe eine große Verwirrung zwischen der Regierung von Dubai und Dubai World, sagte Abdulrahman Al Saleh, Generaldirektor des Dubaier Finanzministeriums, im Fernsehen.

Dubai World sei nicht Teil der Regierung, präzisierte er, auch wenn die Gläubiger dies dächten. "Die Regierung ist der Eigentümer der Firma, aber seit der Gründung ist es so eingerichtet, dass die Firma nicht durch die Regierung abgesichert ist", sagte er. Die Reaktionen an den Finanzmärkten seien übertrieben gewesen und spiegelten das Ausmaß des Schuldenproblems Dubais nicht korrekt wider.

Zahlungsaufschub - Dubai hat 80 Milliarden Dollar Schulden

Dubai World sowie die staatliche Baufirma Nakheel hatten am Mittwoch vergangener Woche überraschend um Zahlungsaufschub für Kredite in Höhe eines einstelligen Milliardenbetrags gebeten.

Metro in Dubai: Bezahlen sollen andere
Insbesondere in der Golfregion hofften Anleger seit Tagen auf Nachrichten, die Aufschluss darüber geben, ob die rund 60 Milliarden Dollar Schulden von Dubai World zurückgezahlt werden können. Den Großteil des Geldes schuldet die Holding lokalen Geldgebern. Insgesamt hat Dubai rund 80 Milliarden Schulden angehäuft.

Analysten sagten, die Wahl des Zeitpunkts der Ankündigung am Mittwoch vor einem mehrtägigen islamischen Fest, die fehlende Kommunikation mit den Investoren im Vorfeld und die nur dürftigen Informationen über das weitere Vorgehen hätten der Glaubwürdigkeit Dubais geschadet.

Zweifel an Hilfszusagen aus Abu Dhabi

Auch bis Montag gab es aus Abu Dhabi keine offizielle Ankündigung dazu, ob das benachbarte ölreiche Emirat den in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Dubaier Firmen unter die Arme greifen würde. Am Morgen sendete das Dubaier Radioprogramm statt des üblichen Wirtschaftsmagazins einen aufgezeichneten Beitrag.

"Alle Anleger hatten für heute mit irgendeiner Erklärung gerechnet, jetzt sind sie genau mit dem Gegenteil gekommen", sagte Vyas Jayabhanu, Chef von Al Dhafra Finanical. "Die heutige Ankündigung bedeutet, dass die Banken ein Problem haben und dass die Investoren bei Islamischen Bonds offensichtlich in Panik sind", sagte er. "Wir erwarten letztlich immer noch irgendein Handeln der VAE-Regierung, andernfalls wird es die Wirtschaft ruinieren."

Am Wochenende hatte zwar die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) dem Bankensektor Unterstützung angeboten. Selbst der Internationale Währungsfonds (IWF) forderte aber mehr Klarheit von den involvierten Regierungen.

Abu Dhabi bot lediglich selektive Hilfen für einige Dubaier Firmen an und heizte damit Spekulationen an, dass Dubai im Gegenzug für Unterstützung politischen Einfluss abgeben muss.

Zuversichtlich äußerte sich der Chef der Deutschen Bank für die VAE und Katar, Munir Husseini. "Für mich ist klar, dass die Führung von Dubai, unterstützt von Abu Dhabi, bemüht ist, die richtigen Schritte für die Vereinigten Arabischen Emirate zu unternehmen", erklärte er. Der Flugzeugbauer Airbus teilte mit, die Dubaier Fluggesellschaft Emirates sei bei allen vertraglichen Verpflichtungen im Plan.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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