Samstag, 16. Dezember 2017

Regulierung Obama greift zu kurz

Ein Jahr nach dem Untergang der US-Investmentbank Lehman Brothers und dem Beben an den Finanzmärkten unternimmt die US-Regierung Schritte, um die Börsen schärfer zu regulieren. Der Gesetzentwurf geht aber nicht weit genug. Derivatehändler können weiterhin einen Bogen um die Regulierung machen.

New York - Den Fokus der Änderungen hat Präsident Barack Obama in seiner Wall-Street-Rede am Montag folgendermaßen zusammengefasst: "Wir werden nicht zu den Tagen des fahrlässigen Verhaltens und der unregulierten Exzesse zurückkehren, die im Zentrum dieser Krise stehen."

Kontrolle für den Finanzmarkt: US-Präsident Obama
Die von der Obama-Regierung vorgeschlagenen Gesetze sollen die Behörden ermächtigen, "unregulierte" Exzesse dauerhaft zu beseitigen. Durch die neue Gesetzgebung sollen zwei wichtige Verbesserungen eingeführt werden: Die Finanzinstitute werden dazu angehalten, höhere Reserven zu halten, um sich gegen Verluste zu schützen. Des Weiteren soll der Großteil des Finanzsystems unter behördliche Aufsicht gestellt werden.

Neue Regulierungen der Finanzmärkte funktionieren immer nur bedingt, ganz wie der Versuch, einen Fluss zu überspringen, ohne zu wissen, wie weit das Ufer entfernt ist. Das Beste, was erhofft werden kann, ist, dass mit Eleganz und Aufrichtigkeit gehandelt wird, und der Versuch zumindest langfristig relativ erfolgreich ist. Nichtsdestoweniger ist eine neue Regulierung jedes Mal erforderlich, um neu identifizierte "unregulierte Exzesse" einzudämmen.

Der riesige Markt der exotischen Finanzinstrumente, die als Derivate bekannt sind, ist ein Problem, das die Obama-Regierung noch nicht ausreichend in Angriff genommen hat. Bei Derivaten handelt es sich im Wesentlichen um Verträge zwischen zwei Anlegern, die wetten, ob Aktien oder andere Wertpapiere in ihrem Wert steigen oder fallen. Der Handel mit Derivaten war die Hauptursache der globalen Wirtschaftskrise. Derivate schadeten nicht nur den meisten großen Namen an der Wall Street, einschließlich der American International Group (AIG) Börsen-Chart zeigen, die eine staatliche Garantie in Höhe von 180 Milliarden Dollar brauchte, sondern auch einem wesentlichen Teil der deutschen Banken.

Deborah Sturman
Die Rechtsanwältin vertritt institutionelle Investoren aus Europa in Aktionärsklagen und berät europäische Anleger im Rahmen des Legal Portfolio Management bei ihren finanziellen Engagements. Alle Kolumnen von Deborah Sturman finden Sie hier .
Mit einem Umfang von mehreren Billionen Dollar hatte sich der Handel mit Derivaten in nur wenigen Jahren zum größten Markt der Welt entwickelt. Dadurch wurde es unregulierten Händlern auf der ganzen Welt möglich, auf viele Sektoren enormen Einfluss auszuüben und dort zu wetten, vom Preis, den Unternehmen für Kredite zu bezahlen hatten, bis hin zum Wert von Währungen und Rohstoffen wie Öl Börsen-Chart zeigenund Baumwolle Börsen-Chart zeigen.

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