Montag, 20. November 2017

Regulierung Obama greift zu kurz

2. Teil: Schlupflöcher für unsichtbare Transaktionen

Die Regierung will Banken, Hedgefonds und andere Anleger, die auf bisher unregulierten Märkten handeln, einschränken. Behörden werden ermächtigt, diese Märkte sowie die von ihnen profitierenden Unternehmen zu beaufsichtigen und die Risiken der Händler zu begrenzen.

Der Gesetzentwurf verfolgt vier Ziele:

  • Erstens sollen die meisten (aber leider nicht alle) Derivate über eine regulierte Abrechnungsstelle (Clearinghaus), die von der Industrie geleitet wird, gehandelt werden. Händler müssten somit über ihre Tätigkeiten berichten und eine minimale Kapitalreserve halten, um Verluste ausgleichen zu können. Dadurch würde zumindest ein Teil des Problems, das durch die jetzige Krise offengelegt wurde, gelöst werden. AIG wäre beispielsweise nie in derartige Schwierigkeiten geraten, hätte es über ausreichende Geldreserven verfügt, um seine Verluste, die durch den Handel mit Derivat-Swap-Instrumenten entstanden waren, auszugleichen. (Ein Swap ist eine Art Versicherungsvertrag, bei dem eine Partei sich damit einverstanden erklärt, gegen periodische Zahlungen Verluste auszugleichen, wenn eine Investition misslingt.) Nach dem jetzigen Plan der US-Regierung hätte eine Abrechnungsstelle von AIG verlangt, für jeden verkauften Swap eine Reserve zu halten.
  • Zweitens verlangt der Gesetzentwurf von Clearinghäusern und anderen Derivatehändlern, dass sie den Regulierern detaillierte Informationen über ihre Geschäfte zur Verfügung stellen, die es der Regierung erlauben, Aktivitäten in diesen Märkten zu überwachen. Für bestimmte Derivate, die oft von Industrieunternehmen benutzt werden, wurde eine Ausnahme gemacht. Händler dieser Instrumente müssen nur einzelne Informationen über ihre Aktivitäten an die Clearinghäuser melden.
  • Drittens würden durch den Gesetzentwurf Regulierer dazu ermächtigt, Händler zur Offenlegung detaillierter Unterlagen über ihre Aktivitäten zu zwingen sowie Betrugsfälle und Manipulation zu verfolgen.
  • Schließlich soll verhindert werden, dass Derivate an Gruppen, die deren Komplexität nicht überschauen können, vermarktet werden.

Trotz allem geht der Gesetzesvorschlag nicht weit genug. Mit dem neuen Gesetz wäre es weiterhin möglich, eine Anzahl von hoch spezialisierten Derivaten unreguliert zu handeln. Dieses Schlupfloch kann von Händlern dazu genutzt werden, zunehmend komplexere Derivate zu kreieren, um so der Regulierung zu entgehen.

Genau dieses Verhalten war es jedoch, das zu dem verheerenden Chaos auf den Märkten geführt hat. Der Gesetzentwurf sieht zwar vor, dass standardisierte Derivate an regulierten Börsen gehandelt werden, individuell angepasste Verträge jedoch würden auch in Zukunft privat gehandelt werden. Das lässt die gleichen unsichtbaren Transaktionen zu, die sich als so verhängnisvoll herausgestellt haben. Derivate sollten einfach ohne Ausnahme standardisiert an Börsen gehandelt und reguliert werden.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH