Samstag, 22. Juli 2017

Ratingagenturen Die Schlacht ist eröffnet

Der Pensionsfonds Calpers verklagt die drei großen Ratingagenturen Moody's, Fitch und S&P auf über eine Milliarde Dollar Schadensersatz. Ein Paukenschlag - mit möglicherweise weitreichendem Nachhall.

Hamburg - Sonne, Surfen und Schwarzenegger, vielleicht noch etwas Hollywood, das sind die Dinge, die man normalerweise mit dem US-Staat Kalifornien verbindet. Seit dem 9. Juli 2009 ist das anders. Denn an eben jenem 9. Juli reichte der Pensionsfonds Calpers eine Klage unter anderem gegen die Ratingagenturen Moody's, Fitch und Standard & Poor's beim "Superior Court of California" ein. Der Fonds will Schadensersatz in Milliardenhöhe. Mindestens.

Feuer frei: Und wie geht die Auseinandersetzung aus?
Eine Milliarde, was war geschehen? Calpers ist der größte Pensionsfonds Amerikas. Für seine Kunden, gut 1,6 Millionen öffentliche Angestellte aus Kalifornien, legt er weltweit Geld an. 2006 investierte der Fonds auch Geld in Sonderanlagevehikel Special Investment Vehicles (SIV). Genauer, in Papiere der Sondergesellschaften, Cheyne Finance, Stanfield Victoria Funding und Sigma Finance. 1,3 Milliarden Dollar flossen aus Kalifornien. In diesen Papieren steckten, so die Klage, die manager-magazin.de vorliegt, auch hypothekarisch besicherte Anleihen, kurz MBS. Von den Ratingagenturen wurden die SIV mit der Bestnote beurteilt.

Genau darauf verließ sich der kalifornische Großanleger. "Kein Maßstab an Sorgfalt hätte Calpers aktuelles Wissen über ( ... ) das verschaffen können, was die SIVs aktuell enthielten", so heißt es in der Klageschrift. Der Papierschein der guten Noten trog tatsächlich. Im April 2007 implodierte Stanfield, im Sommer folgte Cheyne und im Januar des Folgejahrs Sigma. Am Ende hatte Calpers "Hunderte Millionen Dollar" verloren, so die Klageschrift, vielleicht mehr als eine Milliarde. Geld, das der Fonds nun wiederhaben will. Und nicht nur das. Auch andere "Entlastungen", die das Gericht für angemessen halten mag, werden beantragt. Calpers selbst überließ manager-magazin.de zwar die Klageschrift, wollte sich aber darüber hinaus nicht zum Fall äußern. Offenbar soll vor den Schranken des Gerichts gesprochen werden, nicht in den Medien. Zumindest in diesem Punkt scheint man sich bei den Ratingagenturen mit Calpers einig zu sein. Auch S&P und Fitch schweigen trotz Anfrage. Moody's antwortet immerhin, wenn auch etwas schmallippig: "Wir glauben, dass wir starke Verteidigungsmittel gegen alle Vorwürfe haben, einschließlich der Calpers-Klage. Und wir werden darauf drängen, die Beschwerde zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu entkräften", sagte ein Sprecher.

Vorwürfe neben denen von Calpers? In der Tat ist die Kritik, die Calpers in der Klageschrift formuliert, alt. "Die Problematik besteht nicht erst seit der Finanzmarktkrise, sondern seit Gründung der Ratingagenturen", sagt der Vermögensverwalter Markus Zschaber. Denn die Agenturen werden von den Unternehmen bezahlt, die das Rating dann nutzen. Und manch ein Experte weist deren Urteilen genau deswegen auch nur verminderte Aussagekraft zu.

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