Dienstag, 24. April 2018

Ratingagenturen Die Schlacht ist eröffnet

2. Teil: Der angeschossene Bär

"Es wundert mich, dass sich ein institutioneller Investor auf diese Bewertungen verlässt beziehungsweise diese überhaupt in den Investmentprozess involviert", sagt Zschaber. "Gerade die Problematik der hypothekarbesicherten Subprimebonds hätte zumindest für eine Warnung in den Risikomodellen von Calpers sorgen müssen, denn viele Kranke ergeben zusammen nun einmal noch keinen Gesunden."

Da passt es ins Bild, dass Calpers' wirtschaftliche Strahlkraft in den vergangenen Jahren an Glanz verlor. Verwaltete der Fonds Ende 2007 noch 250 Milliarden Dollar, waren es Ende 2008 noch 183 Milliarden. Allein mit dem Liegenschaftsinvestments Landscource hat der Fonds 2008 rund 900 Millionen Dollar gefährdet. Kommentar Calpers: "Landscource ist eines von Tausenden Investments von uns und repräsentiert keine große Portion des Gesamtfonds." Dazu passt auch, dass der Fonds inzwischen verstärkt auf sein soziales Profil achtet. In ihrem ersten Interview vier Wochen nach ihrem Amtsantritt im Dezember 2008 als neue Lenkerin von Calpers sagte Anne Stausbol: "Calpers wird eine Führungsperson sein, die versucht, Reformen in den USA als auch global durchzusetzen, um Vertrauen und volle Transparenz wiederherzustelllen."

Große Visionen und hohe Verluste, Calpers wirkt in diesem Licht ein bisschen wie ein angeschossener Bär - groß, mächtig und zornig. Das nimmt der Klage nicht ihre Brisanz, es verstärkt sie eher.

Dennoch handelt Calpers nicht blindwütig, sondern offenbar sehr gezielt. "Die Klage wurde beim einzelstaatlichen Gericht und nicht beim als objektiver geltenden Bundesgericht eingereicht", erklärt Clemens Kochinke, Anwalt der Kanzlei Berliner, Corcoran & Rowe aus Washington. "Geschworene des bankrotten Staates Kalifornien werden die Subsumtion von Fakten und Recht vornehmen, wenn Calpers die Klage bis ins letzte Prozessstadium am Leben und vor diesem Gericht halten kann. Pauschal sind Geschworene fremdenfeindlich. Also würden sie aufmerksamer den Argumenten der heimischen Wirtschaft zuhören." Und weiter: "Zudem laufen die Verteidigungsargumente der Beklagten aufs Esoterische hinaus. Wird die Jury verstehen können, dass die Ratingunternehmen nur Meinungen kundtun, und dass ihre Auffassungen unter dem Schutz eines der höchsten Verfassungsprinzipien der USA, dem 'First Amendment', stehen? Diesem Grundsatz wird in Kalifornien besonderer Schutz eingeräumt, sodass die Jury ihn wahrnehmen wird."

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