Sonntag, 25. Februar 2018

Bulthaupt-Kolumne Ungeduld treibt Aktienkurse

Die Aktienmärkte haben eine beeindruckende Rally hinter sich. Die Wette auf ein bevorstehendes Ende der Rezession schien angesichts der Umfragewerte von Ifo, ZEW und DIHK aufzugehen. Vieles spricht dafür, dass die Ungeduld am Aktienmarkt die Kurse zu einem Frühstart verleitet hat.

An den Kapitalmärkten geht es wieder aufwärts. Noch im ersten Quartal büßten Aktien massiv an Wert ein, und die Renditen staatlicher Wertpapiere steuerten neue Tiefwerte an. Demgegenüber war in den nachfolgenden drei Monaten eine entgegengesetzte Entwicklung zu verzeichnen. Aktienmärkte legten plötzlich rund 40 Prozent zu und Renditen für zehnjährige Bundesanleihen kletterten um mehr als 75 Basispunkte. Zusätzlich reduzierten sich die Zinsaufschläge für Unternehmensanleihen. Befinden sich die Finanzmärkte wieder auf Normalisierungskurs? Zweifel sind angebracht!

Frank Bulthaupt, Professor für Kapitalmärkte und Volkswirtschaftslehre an der Sparkassen-Hochschule in Bonn, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Blicken wir auf die Bondmärkte, so können Unternehmen mit gutem Rating seit einigen Monaten wieder in großem Umfang Bonds emittieren. Schuldner, die Sicherheiten bieten und attraktive Kuponzahlungen zusagen, müssen nicht lange auf Investoren warten. Diese Entwicklung gilt insbesondere auch für Anleihen mit staatlichen Garantien. Eine merklich abnehmende Risikoaversion ist daraus nicht ableitbar: Das Investorenverhalten auf den Anleihemärkten ist weiterhin durch Sicherheitsdenken geprägt.

Ungeduld am Aktienmarkt

Demgegenüber prägt an den Aktienmärkten eine andere Seele das Geschehen. Künftige und infolgedessen unsichere Dividendenzahlungen, die auf den Wert einer Aktie einwirken, sind fest an das unternehmerische Gewinnpotenzial gekoppelt. Doch wie gestalten sich dessen Aussichten? Bemerkenswerterweise liefert ein Großteil der Dax-Unternehmen aufgrund der konjunkturellen Situation keine eigenen Gewinnprognosen ab, dennoch wird an den Börsen längst auf das baldige Ende der Rezession gewettet.

Ein Grund: An der Börsenseele nagte zuletzt die Ungeduld. Die seit mittlerweile fünf Quartalen andauernde ungewöhnlich lange und schwere Rezession (Zum Vergleich: Die bisher schärfste Rezession entstand in den Jahren 1974/75 als Folge der Ölkrise und war nach "lediglich" drei Quartalen beendet. Damals schrumpfte das BIP in der Summe um knapp 2,5 Prozent.) erfordert ein Warten auf gute Daten; dieses lange Warten verursacht Stress und lässt zuweilen gemischte Datenwolken als weißen Rauch erscheinen. Weißer Rauch im Sinne hoffnungsstiftender Indikatoren wurde an den Aktienmärken herbeigesehnt.

Mit geeigneter Brille konnten Umfragen wie der Ifo-Test wahrgenommen werden. Dessen viermalige Verbesserung wird gerne als untrügliches Zeichen für einen Aufschwung interpretiert. Allerdings basieren diese aufsteigenden Werte ausschließlich auf der Erwartungskomponente des Index. Handelt es sich hierbei um begründete Erwartungen von Unternehmern, die aufstrebende Trends auf ihren Absatzmärkten erkennen oder sind es nur Hoffungswerte, weil es angesichts der Lage nur noch besser werden kann?

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