Freitag, 16. November 2018

Bertelsmann/Sony Musik-Fusion dementiert, Gerüchte reißen aber nicht ab

Beide Konzerne haben Berichte über eine mögliche Zusammenarbeit ihrer Musik-Sparten zurückgewiesen. Doch nach dem Zusammenschluss von Warner Music und EMI reißen die Spekulationen nicht ab.

Gütersloh/Tokio - Die "FAZ" meldete, dass Bertelsmann sowohl mit Sony Music Entertainment als auch mit Seagrams Universal Music Group über eine Übernahme verhandele. Das sei auch der Grund dafür, dass Bertelsmann relativ entspannt auf die Übernahme der englischen EMI durch Warner Music im Januar reagiert habe. Damit hätte es Bertelsmann auf die Nummer eins und zwei der Musik-Branche abgesehen.

Konzern-Chef Middelhoff hatte zuletzt mehrfach bekräftigt, sein Unternehmen solle in der Musikindustrie zur Nummer eins werden. Das Management der Bertelsmann Music-Group sei mit "entsprechenden Arbeiten beauftragt" worden, bestätigte ein Bertelsmann-Sprecher. Nähere Angaben dazu wollte der Sprecher allerdings nicht machen.

Die "Financial Times" berichtet dagegen unter Berufung auf Quellen aus dem Umfeld beider Unternehmen, dass Sony und Bertelsmann über eine Kooperation ihrer Musiksparten verhandeln. Bei den Gesprächen sei es jedoch nicht um eine Fusion gegangen. Am Dienstag hatte schon die "New York Post" berichtet, Sony und Bertelsmann erwägten eine Fusion ihrer Musiksparten. Nach Angaben der Zeitung hatten sich Manager beider Unternehmen in Japan zu Verhandlungen getroffen.

Aus Sony-Kreisen in Tokio verlautete, der Konzernbereich Musik sei von strategischer Bedeutung. Das Unternehmen verhandele daher nicht über einen Verkauf oder eine Verschmelzung dieser Sparte mit denen anderer Firmen. Sony wolle durch den Online-Verkauf von Video- und Musik-Produkten, Software-Spielen und elektronischen Geräten ein Internet-Imperium aufbauen. Das Musik-Geschäft spiele in diesem Prozess eine wesentliche Rolle. "Wenn ernsthafte Verhandlungen über eine Kooperation liefen, würde davon jemand in Tokio etwas wissen", hieß es in den Kreisen.

Die Konzentrationswelle unter den wichtigsten Plattenfirmen wird durch das Internet vorangetrieben. Alle Unternehmen müssen Kosten sparen und zusätzlich neue Produkte bereitstellen, um im Internet gegen die wachsende Konkurrenz aus Start-Ups und Künstlern, die ihre Werke selbst vermarkten, zu bestehen. Der Verkauf von Musiktiteln über das Internet soll im Jahr 2003 ein Volumen von 147 Millionen Dollar erreichen, erwarten die Marktforscher von Jupiter Communications.

© manager magazin 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH