Dienstag, 13. November 2018

Inflationsgefahr Ökonomen-Ohrfeige für Steinbrück

Wirtschaftswissenschaftler der unterschiedlichsten Denkschulen zweifeln am ökonomischen Sachverstand von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Es sei "absurd", nun die Angst vor steigender Inflation zu schüren. Was drohe, sei eine Deflation - und die kann wesentlich verheerender sein.

Finanzminister Steinbrück:
In einer anderen Welt als die Experten
Düsseldorf - Führende Ökonomen in Deutschland haben die jüngsten Inflationswarnungen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kritisiert und zugleich vor einer drohenden Deflation gewarnt. Der Hinweis Steinbrücks auf inflationäre Risiken sei zwar grundsätzlich berechtigt, sagte der Chef des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, am Dienstag dem Onlineportal "Handelsblatt.com". Allerdings stelle derzeit eine Deflation, also eine nachhaltige Depression der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, das viel größere Risiko dar.

Technisch gesehen kann man Hüther zufolge die Inflation, anders als die Deflation, mit geldpolitischen Instrumenten bekämpfen. Wichtig sei dafür aber, der Zentralbank bei der Durchführung ihrer Geldpolitik die notwendige Unabhängigkeit zu gewähren.

Auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) wandte sich gegen Steinbrücks Warnung vor einer möglichen Inflation aufgrund der schuldenfinanzierten Konjunkturprogramme. "Die Inflationsdebatte entbehrt in Zeiten der Deflationsgefahr nicht des Absurden", sagt IMK-Direktor Gustav Horn. Nur schuldenfinanzierte Konjunkturmaßnahmen könnten die Konjunktur stimulieren.

Auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, Norbert Walter, befürchtet kein Hochschnellen der Inflation in den kommenden Jahren aufgrund der rapide zunehmenden Staatsverschuldung. "Die EZB ist der Anker für die Weltinflation", sagte Walter der "Stuttgarter Zeitung" (Mittwochausgabe). "Sie wird ihre Preisziele immer ernst nehmen und wenn sie auf ihrem Stabilitätspfad bleibt, werden die Amerikaner keine ausufernde Inflation haben können", fügte er hinzu. Denn sonst würden die USA durch einen Absturz des Dollar-Kurses bestraft.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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