Freitag, 16. November 2018

Fortis Abschied mit 28-Milliarden-Minus

Der mittlerweile aufgespaltene und teilverstaatlichte Finanzkonzern Fortis hat im abgelaufenen Jahr einen historischen Verlust geschrieben. Das Schicksal der Restbank ist weiterhin unklar. Aktionäre blockieren einen Deal der belgischen Regierung mit der französischen Großbank BNP Paribas.

Brüssel - Unter dem Strich habe am Ende wegen der Krise ein Minus von 28 Milliarden Euro gestanden, teilte der Konzern am Dienstag in Brüssel mit. Ein Jahr zuvor hatte die einstige Nummer eins der belgischen und niederländischen Finanzwelt noch vier Milliarden Euro verdient. Verantwortlich war vor allem das Bankgeschäft, das mittlerweile vom belgischen und niederländischen Staat übernommen wurde: Dieses nicht fortgeführte Geschäft häufte einen Verlust von 29,4 Milliarden Euro an - der Löwenanteil von 20,8 Milliarden Euro bei der belgischen Banksparte.

Zukunft ungewiss: Fortis-Zentrale in Brüssel
Der Umsatz brach von 120 Milliarden auf 14,6 Milliarden Euro ein. In der belgischen Versicherungssparte blieb noch ein magerer Gewinn von sechs Millionen Euro übrig, das internationale Versicherungsgeschäft landete auf der Nulllinie. Fortis Börsen-Chart zeigen hatte diesen Monat bereits mitgeteilt, keine Dividende zahlen zu können.

Fortis war wegen der Krise stark ins Straucheln geraten und im Herbst vergangenen Jahres von den Regierungen in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg aufgespalten worden, nachdem sie der Gruppe bereits mit einer Kapitalbeteiligung von 11,2 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen hatten.

Die endgültige Aufteilung und Struktur von Fortis ist weiter offen - die französische Großbank BNP Paribas Börsen-Chart zeigen kämpft weiter um den Erwerb eines Großteils der zu Belgien gehörenden Fortis Bank. Die Holding besitzt darüber hinaus auch noch einen Teil des globalen Versicherungsgeschäfts, das vorerst im belgischen Staatsbesitz bleiben soll.

Die Aktionäre hatten nach einer erfolgreichen Klage gegen die Verstaatlichung auf einer Hauptversammlung im Februar ihre Zustimmung zu dem Deal verweigert, womit Belgien die Bank auch nicht an BNP Paribas hätte weiterverkaufen dürfen. Nun sollen sie am 8. und 9. April über ein neues Abkommen mit BNP abstimmen. Noch sind Gespräche im Gang darüber, wie die riskanten Wertpapiere aus dem Fortis-Portfolio aufgeteilt werden sollen. Die belgische Regierung ist zu einem Risikoschirm bereit, falls der geplante Verkauf durchgeht. Falls die Aktionäre mit Nein stimmen, warnt die Holding vor "ernsten Folgen für unsere Liquiditätsposition". Fortis werde aber nicht zusammenbrechen.

Fortis gehörte mit der ebenfalls inzwischen teilverstaatlichten britischen Royal Bank of Scotland Börsen-Chart zeigen und der spanischen Santander Börsen-Chart zeigen zu dem Konsortium, das 2007 die niederländische Großbank ABN Amro zum Rekordpreis von 70 Milliarden Euro übernahm und anschließend aufteilte. Von den Beteiligten hat sich bislang nur Santander mit Gewinn aus der Affäre gezogen. Die niederländische Regierung erwägt nun, die an Fortis gegangene Kernbank ABN Amro wieder aufzubauen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, ap und reuters

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