Freitag, 16. November 2018

Juragent AG Unmut, Untreue, Untersuchungshaft

Über 80 Millionen Euro hat die Juragent AG angeblich bei Anlegern eingesammelt. Damit wollte sie Gerichtsprozesse gewinnbringend finanzieren. Offenbar klappt das aber längst nicht immer wie versprochen. Das Management stellt sich stumm - und der Ex-Vorstand sitzt in U-Haft, weil er Gelder in Millionenhöhe abgezweigt haben soll.

Hamburg - "Um es vornehm auszudrücken, es gibt Anlass zur Sorge." Der Beirat des dritten Prozesskostenfonds der Berliner Juragent AG Börsen-Chart zeigen ist offenbar um Contenance bemüht. Sein Schreiben an die Anleger lässt dennoch an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

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DDP
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Hintergrund: Privatleute zahlten in den dritten Fonds der Juragent AG, einen geschlossenen Fonds, in den Jahren 2004 und 2005 nach Angaben des Unternehmens gut 31 Millionen Euro ein. Insgesamt platzierte Juragent zwischen 2002 und 2007 vier solche Prozesskostenfonds mit einem Volumen von zusammen angeblich mehr als 80 Millionen Euro.

Die Investmentidee laut Initiator: Mit dem Geld der Anleger sollen für Privatpersonen, die sich die Gerichtskosten nicht leisten können, Prozesse finanziert werden. Voraussetzung sei, dass dabei um mindestens 500.000 Euro gefochten wird. Als Gewinn stellt Juragent eine 30-prozentige Beteiligung an der erstrittenen Summe in Aussicht. Innerhalb von fünf Jahren wollten die Verantwortlichen so eine Rendite von insgesamt 74 Prozent für die Anleger erzielen.

Soweit die Theorie. Was daraus in der Praxis geworden ist, lässt sich zumindest für den Prozesskostenfonds III dem aktuellen Schreiben des Beirats entnehmen, das manager-magazin.de vorliegt. Die Highlights: "Es fehlen dem Fonds aktuell 283 Millionen Euro Finanzierungsvolumen", steht in dem Brief. Seit Februar 2008 seien keinerlei Prozesse finanziert worden. "Laut Prospekt sollten bereits per Ende 2006 Prozessfinanzierungen i. H. von 300 Mio. Euro (...) erfolgt sein", schreibt der Beirat. "Tatsächlich wurden per 31. 12. 2008 nur 29 Mio. finanziert."

Weiter heißt es, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit für 2008 müsste mehr als 26 Millionen Euro betragen. "Nach heutigem Kenntnisstand wird das Ergebnis gegen Null tendieren."

Schwere Vorwürfe werden auch gegen die Fondsgeschäftsführung sowie das Management der Juragent AG erhoben. Der Beirat habe mit Briefen und Telefonaten versucht, die Geschäfte des Fonds im Sinne der Anleger wieder in Gang zu bringen. Sowohl in einer Gesellschafterversammlung im August 2008 als auch danach gemachte Zusagen seien jedoch nicht eingehalten worden. "Das Ergebnis ist für uns Anleger mehr als frustrierend", schreibt der Beirat - und fordert die Anleger auf, unverzüglich eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einzuberufen.

Zu dem, was auf dieser Versammlung beschlossen werden soll, wollte sich der Beirat auf Nachfrage von manager-magazin.de mit Verweis auf die Vertraulichkeit der Fondsangelegenheiten nicht äußern. Eine eventuell bevorstehende Abstimmung über die Auflösung des Fonds bestätigte er nicht - schloss sie aber auch nicht aus.

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