Mittwoch, 19. Dezember 2018

Juragent AG Unmut, Untreue, Untersuchungshaft

2. Teil: 15 Millionen Euro in der Schweiz sichergestellt

Von der Juragent AG war zu den Vorwürfen keine Stellungnahme zu bekommen. Schon im vergangenen Jahr wollte die Unternehmensspitze zur Situation des Hauses und der vier Fonds gegenüber manager-magazin.de nichts sagen. Diesmal bleibt auch eine Anfrage dazu, wie die Geschäfte der übrigen drei Fonds laufen, wiederum unbeantwortet.

Eine Ahnung davon vermittelt aber ein Schreiben, das Anleger kürzlich ebenfalls in ihren Briefkästen fanden. Darin teilt die Treuhandgesellschaft der Fonds, die Treukommerz Beratungs- und Treuhand GmbH Steuerberatungsgesellschaft aus Hannover mit, dass für die Fonds II, III und IV aus den garantierten Ausschüttungen von jährlich 6 Prozent in diesem Jahr erstmal nichts wird. Der Vorstand der Juragent AG habe mitgeteilt, dass er entgegen bisherigen Zusagen die finanziellen Mittel dafür "auf absehbare Zeit" nicht bereitstellen werde. Eine Begründung dafür solle folgen.

Es scheint ganz so, als seien die Anleger mit dem erst vor rund einem Jahr eingesetzten neuen Management vom Regen in die Traufe gekommen. Hintergrund: Im Frühjahr 2008 hatte die Juragent ihren kompletten Vorstand "aus wichtigem Grund, mit sofortiger Wirkung" abberufen. Vorstand Mirko Heinen hatte zuvor für Unmut bei Aktionären und Anlegern gesorgt, weil er, so "Finanztest", klammheimlich eine Million Euro aus der Firmenkasse genommen haben soll, um den Mittelverwendungskontrolleur der Juragent-Fonds aus einer Untersuchungshaft zu bekommen. Zudem zeichnete sich bereits ab, dass die Fonds des Unternehmens nicht die versprochenen Ergebnisse bringen würden.

15 Millionen Euro in der Schweiz sichergestellt

Hinter dem "wichtigen Grund", aus dem Heinen seinen Job an der Juragent-Spitze verlor, verbarg sich aber möglicherweise etwas anderes: Schon vor einem Jahr kursierten Gerüchte, wonach Heinen mehrere Millionen Euro aus der Juragent in die Schweiz geschafft haben soll.

Inzwischen hat sich der Verdacht offenbar erhärtet: Wie die Staatsanwaltschaft Berlin gegenüber manager-magazin.de bestätigte, wurde gegen "Mirko H." sowie drei weitere Beteiligte (darunter offenbar auch der ehemalige Mittelverwendungskontrolleur, der einst mit Juragent-Geld aus der Haft erlöst worden sein soll) Anklage erhoben. Der Vorwurf: gewerbsmäßige und bandenmäßige Untreue.

Mirko Heinen als Hauptverantwortlichem werden demnach über 50 Einzeltaten zur Last gelegt, bei denen zwischen Februar 2007 und März 2008 insgesamt rund 16 Millionen Euro aus dem Juragent-Vermögen für eigene Zwecke in die Schweiz transferiert worden sein sollen.

Seit Ende Januar sitzt Heinen nun in Untersuchungshaft - er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Für die Anleger gibt es indes eine kleine Hoffnung: Immerhin 15 Millionen Euro konnten laut Staatsanwaltschaft in der Schweiz sichergestellt werden.

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