Sonntag, 16. Dezember 2018

Jahreszahlen Bei Praktiker kreist der Sparhammer

Die Baumarktkette Praktiker reagiert mit einem strikten Sparkurs auf die Kaufzurückhaltung der Heimwerker. Einstellungsstopp, Kurzarbeit und eine Nullrunde für Führungskräfte sollen helfen, einen zweistelligen Millionenbetrag einzusparen. Auch die Aktionäre bekommen den Sparkurs zu spüren.

Frankfurt am Main - "Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Rezession, die auch in der Baumarktbranche angekommen ist, stellen wir uns auf eine vorübergehende deutliche Abschwächung unseres Geschäfts im In- und Ausland ein", sagte Vorstandschef Wolfgang Werner am Freitag bei der Bilanzvorlage in Frankfurt.

Kurzarbeit in 84 Märkten: Die Baumarktkette Praktiker will sparen.
DDP
Kurzarbeit in 84 Märkten: Die Baumarktkette Praktiker will sparen.
Praktiker Börsen-Chart zeigen hat sich deshalb einen rigiden Sparkurs verordnet. "Höchste Priorität hat dabei die Sicherung des Ergebnisses und der Liquidität", sagte Werner. Finanzchef Thomas Ghabel kündigte an, einen zweistelligen Millionenbetrag einzusparen. Die Aktionäre bekommen den Sparkurs ebenfalls zu spüren: Die Dividende für 2008 soll von 0,45 auf 0,10 Euro je Aktie sinken.

Eine konkrete Prognose für das laufende Jahr gab der Konzern mit Stammsitz im saarländischen Kirkel nicht. Operativ erwarte das Unternehmen laut Werner allerdings "eindeutig" schwarze Zahlen. Auch 2009 begann für Praktiker nach Auskunft von Werner bislang schleppend. Die kühle Witterung habe den Start ins neue Geschäftsjahr erschwert. Vor allem die Nachfrage nach Gartenartikeln habe sich verringert, was den Konzern im Februar und März viel Umsatz gekostet habe.

Einstellungsstopp, Kurzarbeit und Nullrunde für Führungskräfte

Ein Einstellungsstopp in den Konzernzentralen, Kurzarbeit in 84 Märkten und eine Nullrunde für die Gehälter der Führungskräfte sollen die Kosten kappen. Die weitere Expansion im Ausland wird auf Eis gelegt. "Das bedeutet, dass wir in unserer Internationalisierung eine Atempause einlegen. Wir müssen jetzt noch genauer hinsehen, wo sich welche Engagements lohnen", sagte Werner laut Mitteilung. Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise lässt der Konzern seit März knapp 4000 seiner 14.000 Mitarbeiter in Deutschland kurzarbeiten. Praktiker ist im MDax notiert.

2008: Überschuss bricht um mehr als zwei Drittel ein

Insgesamt sanken die Erlöse der Gruppe im vergangenen Jahr unter anderem durch Währungsverluste um ein Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Der Überschuss des Konzerns brach auf 7,1 Millionen Euro ein, nach 23,7 Millionen Euro im Vorjahr. Die Mitarbeiterzahl stieg 2008 in den 436 Märkten der Praktiker Gruppe in neun Ländern auf 29.816, dazu gehörten auch 76 Max-Bahr-Märkte. Der Betrieb von 15 kleinen Max-Bahr-Filialen wurde Ende Februar eingestellt.

Die im MDax Börsen-Chart zeigen notierte Aktie notierte am Freitagnachmittag knapp 8 Prozent fester auf 3,84 Euro. Händlern zufolge reagiere die Aktie positiv auf ein verringertes Kreditausfallrisiko in Osteuropa und Russland . Das sei positiv für die Baumarktkette, für die das Osteuopageschäft sehr wichtig sei. Die Zahlen, die Praktiker am Vormittag vorgelegt hatte, seien größtenteils bereits bekannt und im Kurs enthalten gewesen, erklärte der Börsianer.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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