Freitag, 28. Juli 2017

Weltwährungssystem Warum China gegen den Dollar schießt

Russland und China stellen einmal mehr den Dollar als Leitwährung in Frage. Eine schwache Replik aus den USA sowie die schnelle Reaktion der Märkte zeigen: Der Greenback steht tatsächlich auf wackligen Beinen. Eine Alternative ist allerdings kaum in Sicht - und mancher Vorschlag scheint ohnehin sehr egoistisch motiviert.

Hamburg - Ein bisschen rätselhaft erscheint das schon. China verfügt mit etwa zwei Billionen Dollar über die größten Währungsreserven der Welt und hat den größten Teil davon in US-Dollar gehortet. Zudem war der asiatische Riese bislang stets darauf bedacht, eine massive Aufwertung der eigenen Landeswährung, des Renminbi, gegenüber dem Dollar zu vermeiden, denn das hätte den chinesischen Exportmotor gebremst. Und trotz allem kritisiert der Chef der chinesischen Zentralbank in aller Öffentlichkeit die Rolle des Greenback als Weltleitwährung - und nimmt die Möglichkeit in Kauf, ihn schwach zu reden.

Unter Feuer: Der Dollar als Leitwährung gerät immer wieder in die Kritik
Nicht weniger als eine umfassende Reform des internationalen Währungssystems forderte Zhou Xiangchuan am Montag. Der Dollar müsse als Leitwährung abgelöst und könne durch die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds (IWF) ersetzt werden. Der Zentralbanker stieß damit ins gleiche Horn wie zuvor schon Russland, das mit Blick auf den G-20-Gipfel im April in London ebenfalls eine neue Weltleitwährung fordert und dabei neben China angeblich von Indien, Brasilien, Süd Korea und Südafrika unterstützt wird.

Die Replik auf die Attacken ließ nicht lange auf sich warten - und die Reaktion der Märkte auch nicht. In Washington sagten Finanzminister Timothy Geithner und Notenbank-Chef Ben Bernanke in einer ersten Reaktion unisono, ein Abrücken der USA vom Dollar als Leitwährung komme für sie nicht in Frage. Später äußerte sich Geithner jedoch positiv zum chinesischen Vorschlag. Er sei gegenüber einer Ausdehnung der Sonderziehungsrechte "ziemlich offen", so der Minister. Eine Änderung der Rolle des Dollar als Weltreservewährung sehe er dadurch nicht.

Der Dollar auf wackligen Beinen

An den Märkten wird dies offenbar anders beurteilt. Unmittelbar nach der Äußerung Geithners kletterte der Euro Börsen-Chart zeigen am Mittwoch für kurze Zeit über 1,36 US-Dollar. Im Nachmittagshandel wurden für die Gemeinschaftswährung dann noch 1,3548 Dollar bezahlt - nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch am Mittag auf 1,3494 Dollar taxiert hatte.

Es sieht also ganz so aus, als stehe der Dollar tatsächlich auf wackligen Beinen. Aber weshalb sollte der Greenback eigentlich vom Sockel gestoßen werden? Und - vielleicht spannender noch - warum machen ausgerechnet die Chinesen einen solchen Vorschlag? Schließlich dürfte dem wichtigsten Gläubiger der USA an der dann erst recht zu erwartenden Abwertung der US-Währung kaum gelegen sein.

Eines ist klar: Nicht nur in China wird die aktuelle Entwicklung in den Vereinigten Staaten mit großer Sorge verfolgt. Schon Mitte März hatte der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao angesichts der ausufernden US-Verschuldung seine Sorgen über die Sicherheit der chinesischen Investitionen geäußert. Das Problem: Mehr als anderswo auf der Welt bekämpft die US-Notenbank Fed die Rezession und die drohende Deflation mit billigem Geld. Die unschönen Begleiterscheinungen sind: Ein ausuferndes Staatsdefizit, eine steigende Inflationsgefahr - und ein Dollar, der mehr und mehr an Attraktivität verliert.

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