Dienstag, 20. November 2018

Siemens Löschers Konzernumbau kostet Milliarden

Peter Löscher schafft bei Siemens etwas Einzigartiges: Der Konzernchef wird einen Quartalsverlust erwirtschaften. Die Kosten der Umstrukturierung und Rückstellungen für Strafen in der Korruptionsaffäre lasten schwer auf dem Ergebnis. Aber eigentlich kommen die Sonderkosten Siemens-Finanzchef Joe Kaeser gerade recht.

München - Seit Siemens Börsen-Chart zeigen im Jahr 2000 erstmals einen Vierteljahresbericht vorlegte, hat es unter dem Strich noch nie rote Zahlen gegeben. Nun wird der Fehlbetrag im Schlussquartal Expertenschätzungen zufolge in die Milliarden gehen.

Räumt auf: Siemens-Chef Löscher
Bis zu drei Milliarden Euro gibt Konzernchef Peter Löscher allein für die Umformung des Traditionsunternehmens aus: Den Löwenanteil davon machten die Kosten für den Abbau von 17.000 Stellen und die Trennung von den Kommunikationstechniksegmenten SEN und SHC aus; zudem steckte er 400 Millionen Euro in den Kapitalstock einer Siemens-Stiftung, in der gemeinnützige Aktivitäten des Konzerns gebündelt werden. Eine weitere Milliarde legt Löscher für die bevorstehenden Strafen der deutschen und US-Behörden in der Korruptionsaffäre auf die Seite.

Aber eigentlich kommen all die Sonderkosten dem Finanzchef Joe Kaeser gerade recht. Denn er kann sie mit dem Milliardenerlös aus dem Verkauf der Autozuliefersparte VDO an Continental Börsen-Chart zeigen verrechnen und so die Steuerlast seines Hauses drücken. Löscher ist es gelungen, die größten Baustellen im Geschäftsjahr 2007/08 zu beenden. Der Aufbau der Anti-Korruptionsorganisation im Haus ist weitgehend abgeschlossen. Und die Verhandlungen über die Geldbußen für die Schmiergeldaffäre sind so weit gediehen, dass die Summe abschätzbar ist.

Künftig soll sich Siemens nur noch seine Industriegüter, Energie- und Medizintechnik im Auge haben. Zügig stieß Löscher die Mehrheit an den letzten Resten der Telekommunikationstechnik ab und stieg aus dem Computerbauer Fujitsu Siemens aus. Zugleich legte er die Axt vor allem an Verwaltung und Vertrieb, die er für zu umfangreich hält. Dabei ging es um Tempo, weniger ums Geld.

Die Trennung vom Telefonanlagenbauer SEN und dem Telefongerätehersteller SHC ließ sich Löscher über eine Milliarde Euro kosten. Auch den Mitarbeitern, die er loswerden wollte, bot Siemens üppige Abfindungen und großzügige Altersteilzeitregelungen an. Die Personaleinschnitte sollen Siemens "wetterfest" machen. Bislang ist die Wirtschaftskrise Analysten zufolge nicht im Konzern angekommen. Die Experten erwarten weiter leichte Zuwächse bei den neuen Aufträgen.

Jens Hack, reuters

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