Freitag, 20. Juli 2018

Investmentbanken Zurück auf null

Das US-Bankensystem hat sich selbst zur Strecke gebracht. Die verbliebenen großen Investmentbanken, Goldman Sachs und Morgan Stanley, flüchten im Sturm der Finanzkrise unter die Fittiche der Fed und firmieren nun als Geschäftsbanken. An die goldene Vergangenheit können die gefallenen Riesen so kaum anknüpfen.

Hamburg - Das Ende kam in der Nacht zum Montag und ziemlich unspektakulär daher. In einer dürren Pressemeldung (sechs Absätze, 31 Zeilen) teilte Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, die bisher mächtigste und schillerndste Investmentbank der Welt, mit, künftig als sogenannte "Bank holding" - also normale Geschäftsbank - firmieren zu wollen und sich der direkten Aufsicht der Notenbank Fed zu unterstellen.

Neues Geschäftsmodell: Morgan Stanley firmiert nicht mehr als Investmentbank - Rivale Goldman Sachs macht es ebenso
Auch Konkurrent und Branchenzweiter Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen will sein traditionelles Geschäftsmodell ändern und sich künftig nicht mehr von der SEC, sondern der Fed in die Bücher schauen lassen und neuen Geschäftskunden öffnen. Das Geld soll verstärkt von Privatkunden und weniger über kurzfristige Anleihen kommen, wie sie zur Finanzierung der als Giftmüll bezeichneten kreditbesicherten Wertpapiere ausgegeben wurden.

Damit hat die Finanzkrise auch die letzten beiden großen unabhängigen US-Investmentbanken in die Knie gezwungen. Anfang des Jahres gab es noch fünf große, reine Investmentbanken, die auch für das Selbstverständnis der Wall Street als Mekka der freien Finanzströme standen. Zunächst musste sich Bear Stearns Börsen-Chart zeigen mit Unterstützung der Notenbank in die Arme von J.P. Morgan flüchten, dann meldete Lehman Brothers Börsen-Chart zeigen Insolvenz an, und Merrill Lynch Börsen-Chart zeigen verkaufte sich selbst an die Bank of America.

Zwar müssen Goldman und Morgan im Gegensatz zu den kollabierten anderen großen "Broker Dealern", wie sie im US-Jargon heißen, nicht völlig aufgeben. Dennoch gestehen die Geldhäuser mit ihrem letztlich unfreiwilligen Wechsel des Geschäftsmodells ein, dass ihr Konzept der reinen Investmentbank zur Zeit schwer vermittelbar ist und sie nun unter anderen Bedingungen Geld verdienen müssen. Gleichzeitig ist das US-Bankensystem gescheitert, wie es 1933 als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise installierte wurde.

Damals hatten die Banken nach Ansicht der Politik mit den Einlagen der Sparer auf unverantwortliche Weise an der Börse spekuliert - mit der Folge, dass bei sinkenden Kursen nicht nur viele Banken, sondern auch Sparer mit leeren Händen dastanden. Mit dem so genannten Glass-Steagall-Act wollte der Kongress die Einlagen der Sparer sichern. Geschäftsbanken und Investmentbanken mussten in der Folgezeit unabhängig voneinander agieren.

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