Montag, 10. Dezember 2018

Friedrich A. von Hayek Zwischen Kant und Hassfigur

Vor 70 Jahren trafen sich 26 Intellektuelle in Paris und "erfanden" den Neoliberalismus. Einer von ihnen war Friedrich August von Hayek. Während seine Kritiker den Nobelpreisträger als Vordenker des Turbokapitalismus brandmarken, sehen seine Anhänger in ihm einen "rabiaten Rechtsstaatler".

Hamburg - Wir schreiben das Jahr 1938. Zwölf Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs treffen sich Ende August 26 Ökonomen und Philosophen im Pariser Institut International de Coopération Intellectuelle, um über die Zukunft des Liberalismus zu diskutieren.

 Friedrich August von Hayek wurde am 8. Mai 1899 in Wien geboren. Nach seinem Dienst als Artillerieoffizier im Ersten Weltkrieg studierte er Jura und Ökonomie in Wien und promovierte in beiden Fächern. Hayek war nach kurzer Zeit im Staatsdienst anschließend Professor in London, Chicago, Freiburg und Salzburg. 1974 wurde ihm der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen. Hayek, der zweimal verheiratet war und aus erster Ehe zwei Kinder hatte, starb am 23. März 1992 in Freiburg im Breisgau.
Getty Images
Friedrich August von Hayek wurde am 8. Mai 1899 in Wien geboren. Nach seinem Dienst als Artillerieoffizier im Ersten Weltkrieg studierte er Jura und Ökonomie in Wien und promovierte in beiden Fächern. Hayek war nach kurzer Zeit im Staatsdienst anschließend Professor in London, Chicago, Freiburg und Salzburg. 1974 wurde ihm der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen. Hayek, der zweimal verheiratet war und aus erster Ehe zwei Kinder hatte, starb am 23. März 1992 in Freiburg im Breisgau.
Auslöser für das Treffen war das im gleichen Jahr erschienene Buch "The good Societey" des Amerikaners Walter Lippmann (1889 bis 1974). Der Journalist und einstige Berater von US-Präsident Woodrow Wilson griff darin Sozialismus und Kollektivismus frontal an. "Der Kollektivismus funktioniert nicht, da er mit der Wirtschaftsordnung, nach der die Menschen sich ihr Brot verdienen, völlig unvereinbar ist."

Es war nicht weniger als "die Erfindung des Neoliberalismus", blickt Michael Wohlgemuth im Gespräch mit manager-magazin.de auf die Zusammenkunft vor 70 Jahren zurück. "Das intellektuelle Klima in dieser Zeit war so gestrickt, dass die Menschen glaubten, dass es nur die Wahl zwischen Kommunismus und Faschismus gebe", fasst der geschäftsführende Forschungsreferent des Walter Eucken Instituts die Ausgangslage für das "verzweifelte Treffen der Letzten, die noch an den Liberalismus glaubten", zusammen.

"Karikaturen des Neoliberalismus"

Einer dieser "Verzweifelten" war Friedrich August von Hayek, den die "Zeit" einmal die "meistgeliebte Hassfigur der Linken" nannte. Und tatsächlich sehen in dem 1992 verstorbenen Wirtschaftsnobelpreisträger (1974 zusammen mit Gunnar Myrdal) viele bis heute den geistigen Vater von dem was dieser Tage gemeinhin als Turbokapitalismus bezeichnet wird.

"Ich halte das für übertrieben", widerspricht Wohlgemuth, der auch Mitglied der Hayek-Gesellschaft ist. "Es ging ihm nicht einfach nur darum, den Staat in allen seinen Aufgaben zu beschränken, sondern den Staat als Garanten der Regeln gerechten Verhaltens sogar zu stärken. Hayek war also ein ziemlich rabiater Rechtsstaatler. Mit den heutigen Karikaturen des Neoliberalismus hat das wenig zu tun."

Seite 1 von 3

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH