Freitag, 20. Juli 2018

Quartalszahlen Goldman Sachs erfreut Anleger

Die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs hat im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet. Zwar fiel das Ergebnis niedriger aus als noch im Vorjahr. Angesichts der aktuellen Marktbedingungen gibt man sich in New York aber zufrieden.

Über den Erwartungen: Wie JPMorgan ist auch Goldman Sachs in der Kreditkrise bislang recht glimpflich davon gekommen
New York - Die weltgrößte Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen steuert auch weiterhin fast unbehelligt durch die globale Finanzmarktkrise. Das Geldhaus verdiente im zweiten Quartal mit netto 2,09 Milliarden Dollar nur geringfügig weniger als vor einem Jahr und übertrumpfte damit erneut alle Erwartungen.

Die Geschäftszahlen flößten Börsianern beiderseits des Atlantiks neue Hoffnung ein, dass sich die Finanzkrise dem Ende zuneigt. Pro Aktie belief sich der Gewinn auf 4,58 Dollar, während Analysten im Schnitt mit nur 3,42 Dollar gerechnet hatten. Goldman-Aktien legten im frühen New Yorker Handel um gut 1 Prozent zu.

Das stärker als erwartete Ergebnis verlieh auch in Deutschland den Bankentiteln Auftrieb: Nach Bekanntgabe der Zahlen lagen die Aktien der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen um mehr als 3 Prozent im Plus, die der Commerzbank Börsen-Chart zeigen um mehr als 2 Prozent.

Die Zahlen waren an der Börse mit besonderer Spannung erwartet worden, weil Goldman in der Kreditkrise ebenso wie der Rivale JPMorgan bereits zuvor relativ glimpflich davongekommen war. Goldman hatte sogar zeitweise massiv davon profitiert, weil das Geldhaus auf Kursverluste gewettet hatte.

Auch die Einnahmen übertrafen im abgelaufenen Quartal mit 9,4 Milliarden Dollar die Markterwartungen deutlich. Goldman-Chef Lloyd Blankfein zeigte sich angesichts der schwierigen Marktbedingungen erfreut über das Ergebnis. Die Turbulenzen böten immer wieder gute Geschäftsgelegenheiten. "Die attraktivsten davon werden wir auch in Zukunft ausnutzen." Branchenexperten zeigten sich beeindruckt. "Irgendwie gelingt es denen, alle Problemen zu umschiffen", sagte der US-Portfoliomanager Thomas Russo. Dem Londoner Analysten Jeremy Batstone-Carr von Charles Stanley zufolge nutzt Goldman Sachs die Krise weiterhin geschickt zum eigenen Vorteil aus: "Goldman Sachs erbaut sich derzeit am Leid der anderen."

Vor einem Jahr hatte der Branchenprimus noch 2,33 Milliarden Dollar oder 4,93 Dollar je Aktie verdient. Für den Rückgang im Jahresvergleich war unter anderem ein Abflauen im Investmentbanking verantwortlich, in dem auch Goldman Sachs die Krise negativ zu spüren bekam. Das Institut erklärte, die Spannungen an den Finanzmärkten hielten weiter an, die Stimmung sei aber deutlich besser als vor drei Monaten. Es sei jedoch noch ungewiss, wann die Kreditmärkte ihren Wendepunkt erreichen würden.

Positiv äußerte sich das Institut auch zur Entwicklung des Engagements bei Übernahme-Finanzierungen. Dieses sei auf 14 Milliarden Dollar von 52 Milliarden Dollar gesunken. Diese Kredite für Übernahmen - etwa durch Private-Equity-Firmen - können die Banken seit Beginn der Krise nicht mehr an Investoren weiterverkaufen. Sie führen daher zu milliardenschweren Abschreibungen. So ist dieser Posten bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen der Hauptgrund für die rund 5 Milliarden Euro an Belastungen im Zuge der Krise. Die Kreditkrise hat die allermeisten Firmen der Branche im Gegensatz zu Goldman Sachs heftig in Mitleidenschaft gezogen - die Abschreibungen belaufen sich mittlerweile auf insgesamt rund 400 Milliarden Dollar. Weitere Milliardenabschreibungen gelten unter Experten als sicher, auch bei der Deutschen Bank. Die US-Investmentbank Lehman Brothers Börsen-Chart zeigen hatte die Börsianer erst kürzlich wegen massiver Abschreibungen mit einem Verlust von fast 3 Milliarden Dollar schockiert.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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