Freitag, 17. August 2018

Finanzkrise Buffett attackiert Investmentbanker

Starinvestor Warren Buffett hat die Finanzindustrie und besonders den Handel mit Derivaten stark kritisiert. Im Interview zeigte sich der reichste Mann der Welt zudem besorgte über die US-Konjunktur. Die amerikanische Wirtschaft befände sich in einer "Rezession", die "tiefer gehen und länger dauern" werde, als viele dächten.

Berlin - "Es kann doch nicht sein, dass Hunderttausende Jobs vernichtet werden, dass ganze Industriezweige in der Realwirtschaft aufgrund von Finanzwetten zugrunde gehen, obwohl sie eigentlich kerngesund sind", sagte die Finanzikone Warren E. Buffett dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. Bereits in früheren Stellungnahmen hatte der Multimilliardär und Großspender den Derivatehandel mit "Massenvernichtungswaffen" verglichen.

Pessimistische Prognose: Starinvestor Buffett beurteilt die Konjunkturaussichten der USA negativer als viele andere Wirtschaftsexperten
Wirksame Kontrollmöglichkeiten für dieses Geschäft sieht der Starinvestor dagegen kaum. "Das ist das Problem: Sie können so etwas nicht steuern, nicht mehr regulieren. Den Geist bekommt man nicht zurück in die Flasche", folgerte Buffett. Obwohl die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), die US-Regierung einiges getan hätten, die heftigen Ausschläge an den Märkten zu verhindern, sei ihnen das nicht gelungen.

Hart griff Buffett die Bankmanager an, deren Häuser am heftigsten unter der aktuellen Krise leiden. "Sie brauten ein Giftgetränk und mussten es am Ende selbst trinken", sagte der Großanleger. "So etwas machen die Banker normalerweise ungern, sie verkaufen es lieber an andere", fügte er sarkastisch hinzu.

Buffett erwartet "lange und tiefe" US-Rezession

Buffetts Kritik ähnelt den Worten Horst Köhlers, der Mitte Mai die außer Kontrolle geratenen Finanzmärkte mit einem "Monster" verglichen hatte. Der Bundespräsident und ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) sagte am Samstag auf dem Katholikentag in Osnabrück, es gehe ihm nicht um ein pauschales Eingreifen des Staates. Im Zusammenhang mit den internationalen Finanzmärkten halte er es aber für unabdingbar, "dass wir über neuere, strengere und effektivere Regeln von der Finanzmarktaufsicht bis zu Anreizstrukturen in den Geschäften nachdenken, und sie dann auch verabschieden".

Die Konjunkturaussichten im eigenen Land beurteilte der US-Amerikaner Buffett negativer als viele andere Wirtschaftsexperten. Der laut "Forbes"-Magazin reichste Mann der Welt sprach von einer "Rezession" in den USA. "Vielleicht nicht in dem Sinne, wie sie Ökonomen definieren", sagte Buffett. Danach muss eine Volkswirtschaft zwei Quartale hintereinander schrumpfen. Aber die Leute "fühlen die Effekte bereits". Die Rezession werde "tiefer gehen und länger dauern, als viele denken".

Lobende Worte für den Standort Deutschland

Lobende Worte fand Buffett, der gerade in einer Art Charmeoffensive für seine Investitionspläne durch die Bundesrepublik tourt, für den Standort Deutschland. Dass der im Gegensatz zu anderen Nationen keine Konjunkturprobleme habe, zeige, "dass die Deutschen was von Wirtschaft verstehen". Eigentlich arbeite der starke Euro Börsen-Chart zeigen gegen die Exportnation Deutschland. Wenn sie dennoch stark sei, "beweist es, dass Angebot und Qualität stimmen, dass in der Vergangenheit viele richtige Entscheidungen gefällt wurden und sich die Reformanstrengungen gelohnt haben".

Zu seinen Investitionsplänen in Deutschland gab er an, keine dauerhafte Beteiligung an der Münchener Rück Börsen-Chart zeigen zu planen. Bei seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway Börsen-Chart zeigen gebe es zwei Kategorien von Engagements, sagte Buffett dem SPIEGEL. Er sprach von 76 Firmen, an denen man dauerhaft beteiligt sein wolle. Daneben gebe es einen Handelsbestand. "Die Münchener Rück gehört zur zweiten Kategorie", so Buffett weiter. Sein Unternehmen habe auch an anderen deutschen Firmen Beteiligungen erworben, die nun ebenfalls zum Handelsbestand gehörten und schnell wieder verkauft werden könnten.

Namen der Firmen nannte Buffett nicht, bekundete aber sein Interesse daran, künftig auch unternehmerisch und langfristig in Deutschland zu investieren, speziell in alteingesessene Familienfirmen. "Wir suchen große, gut geführte Unternehmen, die wir auf Anhieb verstehen", sagte er. Sie müssten über Jahrzehnte gewachsen sein. "Natürlich werden viele Familien eine solche attraktive Firma nicht verkaufen wollen", sagte er. Aber manchmal gebe es einen guten Grund, das Unternehmen abzugeben. "Dann sollen die Familien zuerst an uns denken", wiederholte Buffett seine bereits am Montag in Frankfurt abgegebene Offerte.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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