Dienstag, 19. März 2019

Deutsche Bank "Vision" geplatzt

Lange hatte sich die Deutsche Bank gesträubt, jetzt kassiert sie ihre Jahresprognose - wortlos. Josef Ackermann hätte das zum Thema machen sollen wie auch die Entzauberung seiner Investmentbanker. Fehlanzeige. Wie die Bank künftig nachhaltig ihre Erträge stabilisieren will, ist unklar. Stattdessen versprüht der Deutsche-Bank-Chef Zweckoptimismus.

Hamburg/Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Erstmals seit dem Jahr 2003 hat das deutsche Vorzeigeinstitut unter Führung von Josef Ackermann nach Milliardenabschreibungen wieder einen Quartalsverlust ausgewiesen. Der Verkauf von Beteiligungen konnte das nicht verhindern. Zugleich hat die Bank nun endgültig ihre Ergebnisziele für das laufende Jahr kassiert.

Muss verstärkt auf sichere Ertragsquellen setzen: Deutsche-Bank-Chef Ackermann
Die Zeiten seien unsicher, und die Marktentwicklung daher nicht vorhersehbar, sagte Finanzchef Anthony di Iorio am Dienstag. Daher wolle die Deutsche Bank auch keine Aussagen über das zu erwartende Ergebnis im laufenden Jahr machen.

Für Märkte und Analysten kommt die Entwicklung nicht überraschend. Spätestens Anfang April, als die Bank Milliardenabschreibungen für das erste Quartal angekündigt hatte, dürfte auch dem letzten Optimisten klar gewesen sein, dass das Ziel eines bereinigten Vorsteuergewinns von 8,4 Milliarden Euro nicht mehr zu halten ist. "Das hat der Markt längst abgehakt", erklärte seinerzeit LBBW-Experte Olaf Kayser. Seit heute ist es endgültig Makulatur.

Lange hatte die Bank das zu besseren Zeiten ausgegebene Ziel gegen Skeptiker in der Finanzwelt verteidigt, entfernte sich nur widerwillig und in sprachlich homöopathischen Dosen von dem Nimbus der Unverwundbarkeit, während andere Institute dem Markt längst tief klaffende Wunden in ihren Bilanzen präsentierten.

Die Deutschbanker formulierten das Ziel dann etwas kleinlauter zunächst zur "Vision" um. Mitte März erklärte das Management dann verklausuliert, dass die "negativen Effekte auf unsere Ertragslage möglicherweise nicht durch Erfolge in anderen Geschäftsbereichen aufgefangen werden können". Während manche Analysten von einer Gewinnwarnung sprachen, hatte die Deutsche Bank größte Schwierigkeiten, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass die hoch bezahlten Investmentbanker um ihren Star Anshu Jain nur neue Ertragsquellen aus dem Hut zaubern müssten, um den drohenden Gewinnbruch zu stoppen.

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