Freitag, 14. Dezember 2018

George Soros "Schlimmste Krise zu meinen Lebzeiten"

3. Teil: Superboom gerät außer Kontrolle

Der Superboom gerät außer Kontrolle

Soros stützt seine düsteren Ansichten auf seine alte "Theorie der Reflexivität", die die Verhaltensregeln für Finanzmärkte auf den Kopf stellt. Erstmals vor 20 Jahren in seinem Buch "Die Alchemie der Finanzen" dargelegt, widerspricht diese These der Annahme, dass Finanzmärkte ihre eigenen Exzesse automatisch korrigierten und stets ein Gleichgewicht anstrebten. Das Gegenteil ist richtig, postuliert Soros: Die Psychologie der Akteure führe stattdessen zu mehr "Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit".

Und jedes Mal, wenn dies geschehe, so Soros weiter, intervenierten die Finanzbehörden, indem sie Liquidität ins System pumpten und die Wirtschaft anderweitig ankurbelten. Dieser "Superboom" sei nun aber außer Kontrolle geraten, da viele der neuen Kreditvehikel so kompliziert seien, dass weder der Staat noch die Banken das Risiko mehr richtig berechnen könnten. Erschwerend komme die weltweite Dollarflucht hinzu. "Dies", sagt Soros, "ist eine von Menschen gemachte Krise."

Die angekündigte Bankenreform der US-Regierung, die der Notenbank mehr Macht geben soll, um künftige Kreditkrisen zu vermeiden, hält Soros für unzureichend. "Sie verfehlt im Wesentlichen das Ziel", sagte er dem TV-Wirtschaftssender CNBC. "Wir brauchen neues Denken, nicht das bloße Umkrempeln der Aufsichtsautoritäten."

"Wir brauchen neues Denken"

Zwei Jahrzehnte lang, schimpft Soros, sei er von Kritikern verlacht worden. Doch nicht mehr länger - die aktuelle Konjunkturflaute gebe ihm endlich Recht: "Jetzt ist es an der Zeit."

Auch für Soros selbst geht es um viel. Das Magazin "Forbes" schätzte sein Privatvermögen für 2007 auf 8,8 Milliarden Dollar und setzte ihn damit auf Platz 77 der 400 reichsten Amerikaner. Ein Großteil dieses Geldes ist in seinem Quantum Endowment Fund angelegt, der derzeit rund 17 Milliarden Dollar umfasst. Voriges Jahr erwirtschaftete der Fonds eine Rendite von 32 Prozent - wesentlich mehr als durchschnittliche Hedgefonds mit 10,4 Prozent.

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