Freitag, 14. Dezember 2018

Varengold Exotenfonds vom Fischmarkt

2. Teil: Exotenfonds schlägt die Indizes

Zunächst richteten die Studenten eine Internetplattform ein, auf der die Aktivitäten der Futures-Händler jederzeit eingesehen werden können - der spätere Geschäftsbereich Capital Markets war geboren. Inzwischen nutzen 7000 Kunden die Plattform und sorgen für ein jährliches Transaktionsvolumen von fünf Milliarden Euro. "Unser Fokus liegt auch heute noch darauf, den Leuten zu zeigen, wie die Produkte funktionieren und dass sie gut rentieren", sagt Qureshi. Man müsse nicht, wie andere Hedgefonds, an Offshore-Plätzen wie den Cayman-Inseln arbeiten, um Rendite zu erwirtschaften.

Dachhedgefonds
Der Manager eines Dachhedgefonds investiert das Fondsvolumen in verschiedene Hedgefonds und streut so das Risiko.
2006 legten sie den ersten deutschen Dachhedgefonds mit einem Fokus auf Managed Futures auf. So streuen Fix und Qureshi das Risiko, das in der Investition in einzelne Händler liegt. Derzeit verwalten dieser und andere Varengold-Fonds ein Volumen von 400 Millionen Euro. Seit der Auflage legte der HI Varengold CTA um 12,8 Prozent zu.

Die Varengold Bank betreut private und institutionelle Kunden. Da Werbung teuer ist, gibt es keine ganzseitigen Anzeigen in Anlegermagazinen. Der Vertrieb erfolgt über Mund-zu-Mund-Propaganda und auf Seminaren. Auf Umwegen geriet die Bank dabei in Zusammenhang mit den berüchtigten Seminaren des Italieners Alfredo Cuti, gegen dessen Firma Aktienpower derzeit ein Konkursverfahren und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen. Als sich die Vorwürfe erhärteten habe die Hanseatic Brokerhouse Securities, eine 16-prozentige Beteiligung der Varengold Bank, die Kooperation beendet, sagt Qureshi. Eine Anfrage der Aktienpower, für den geplanten Börsengang das Haftungsdach zu übernehmen, wurde laut Qureshi bereits 2005 abgelehnt.

Managed Futures
Bei der Anlage in Managed Futures vertraut der Investor sein Geld Händlern an, die für ihn mit Futures handeln. Ein Future ist ein Termingeschäft, bei dem zukünftige Kurse verabredet werden.

1998 verlangte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) für die Geschäfte der Varengold Bank eine Banklizenz. Die Jungunternehmer mussten innerhalb von fünf Jahren 730.000 Euro aufbringen. Sie fluchten und grübelten nächtelang zwischen leeren Pizzakartons. Es ist gelungen, 2003 erhielt Varengold die Banklizenz.

Ärgerten sich Fix und Qureshi damals auch kräftig, so hat sich die Lizenz im Nachhinein rentiert: "Das Korsett der Bankenaufsicht und die erforderlichen Eigenkapitalrichtlinien haben uns in den 90er Jahren vor hohen und riskanten Investitionen bewahrt", sagt Qureshi. Das sei einer der Gründe, warum die Varengold nicht, wie so viele andere Start-ups, aufgeben musste.

Fix und Qureshis Ziel ist Wachstum im Nischenmarkt. Zwar erschwere die Diskussion um Heuschrecken-Hedgefonds den Vertrieb in Deutschland. Dennoch: "Im Markt tut sich einiges, das Interesse deutscher Privatanleger wächst", sagt Fix. Und die Varengoldbank sei gerüstet. Die Infrastruktur für das Geschäft - die Handelsplattform und die Abwicklung der Transaktionen - bestehe unabhängig von der Anzahl der Geschäfte. Fix vergleicht das mit dem Betreiben einer Lagerhalle: Die Kosten sind unabhängig davon, wie viel Ware dort lagert.

Anstatt das Gaspedal bis zum Anschlag durchzudrücken, um Wachstumserwartungen von Investoren zu erfüllen, können sich Fix und Qureshi das langsame Wachsen leisten. 2007 setzte die Varengold Bank acht Millionen Euro um. Der Großteil der Kunden sitzt außerhalb Deutschlands, Varengold wächst auf allen fünf Kontinenten gleich stark. "Die derzeit 30-prozentige Wachstumsquote würden wir gerne beibehalten", sagt Fix.

Am 20. März 2007 debütierte die Varengold-Aktie Börsen-Chart zeigen. Das Papier brach ein und gilt als einer der größten Flops des Jahres 2007. Der Einbruch traf auch Fix und Qureshi, die jeder etwa 13 Prozent der Aktien halten. Trotzdem sind sie sich einig: Den Weg würden sie auch ein zweites Mal gehen.

Varengold gegen die Indizes Vergleich Hedgefonds vs. Aktien Stand: März 2008 Quelle und Berechnungen: Absolut Research GmbH, Hamburg
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Varengold gegen die Indizes Vergleich Hedgefonds vs. Aktien Stand: März 2008 Quelle und Berechnungen: Absolut Research GmbH, Hamburg

Fondsdaten HI Varengold CTA Hedge
Erstinvestition mind. EUR 1.000,00
Folgeinvestitionen mind. EUR 100,00
Ausschüttungen keine
Verwaltungsgebühr max. 2,05% p.a. des Nettoinventarwerts
Erfolgsabhängige Vergütung 20 % des Mehrertrages über 3-Monats-EURIBOR (High-Water-Mark)
Ausgabeaufschlag bis zu 5,5% des Zeichnungsbetrages
Rücknahmegebühren bis zu 3% (nach Ermessen der Kapitalanlagegesellschaft)
Quelle: Varengold Wertpapierhandelsbank:

Lesen Sie im nächsten Teil der Serie, warum der Manager des Hedgefonds Loys Global MH nur selten Kauf- oder Verkaufsaufträge platziert.

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