Montag, 17. Dezember 2018

Bear Stearns Aktionäre gegen Übernahme

Unter den Großaktionären der angeschlagenen US-Investmentbank Bear Stearns regt sich offenbar Widerstand gegen den extrem niedrigen Preis beim Notverkauf an den Konkurrenten JP Morgan. Selbst eine Insolvenz der Bank halten einige für die bessere Alternative.

New York - Unter anderem der Milliardär Joseph Lewis, der 9,4 Prozent an Bear Stearns Börsen-Chart zeigen hält, lehne den Preis von weniger als 300 Millionen Dollar als zu niedrig ab, berichtete das "Wall Street Journal" am Dienstag. Auch viele Bear-Stearns-Beschäftigte, die zusammen 30 Prozent der Anteile haben, drohen dem Blatt zufolge gegen das Geschäft zu stimmen.

Dagegen: Aktionäre sträuben sich gegen die Übernahme
Für den Notverkauf von Bear Stearns ist noch die Zustimmung der Aktionäre erforderlich. Es sieht zwar so aus, als wäre die Insolvenz die einzige Alternative zu dem Kauf durch JP Morgan. Allerdings gehen einige Anteilseigner davon aus, dass sie selbst bei einer Liquidation der Bank besser wegkommen könnten: Allein das New Yorker Hauptquartier von Bear Stearns dürfte mehr als eine Milliarde Dollar wert sein.

Bear Stearns selbst hatte noch am vergangenen Freitag etwa 80 Dollar je Aktie als fairen Preis angesehen. JP Morgan würde den Konkurrenten verglichen damit zum absoluten Schnäppchenpreis bekommen: Die Übernahme über einen Aktientausch entspräche zum Kurs vom Freitag nur einem Angebot von zwei Dollar je Aktie oder insgesamt 236 Millionen Dollar. Die Aktie von JP Morgan stieg am Montag um gut 10 Prozent und das Volumen des Geschäfts entsprechend auch. Es liegt damit aber immer noch deutlich unter dem Börsenwert von Bear Stearns, der am vergangenen Freitag mit 3,5 Milliarden Dollar taxiert wurde.

Die Aktie von Bear Stearns stürzte am Montag zwar um mehr als 84 Prozent ab. Sie schloss aber trotzdem bei rund 4,80 Dollar deutlich über der Bewertung des Notverkaufs.

Auch andere große Investoren hätten ihre Unzufriedenheit mit dem Deal signalisiert, berichtete das "Wall Street Journal" weiter. JP Morgan rechne fest mit Klagen unzufriedener Aktionäre. Für Prozesse seien bereits sechs Milliarden Dollar zurückgestellt.

Wie genau sich das Geschäft von Bear Stearns in den vergangenen Monaten entwickelte, bleibt unterdessen weiter unklar: Die für Montagabend angekündigte vorgezogene Vorlage von Zahlen für das erste Geschäftsquartal sagte Bear Stearns unter Hinweis auf die Verkaufspläne wieder ab.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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