Freitag, 16. November 2018

John Maynard Keynes Der Mann, der Hitler kommen sah

Nur wenige Denker prägten die Wirtschaft so wie John Maynard Keynes. Noch heute, 62 Jahre nach seinem Tod, polarisiert er. Denn soll der Staat tatsächlich eingreifen, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen?

Hamburg - Sogar im Videonetzwerk Youtube ist er zu finden. Er, das ist John Maynard Keynes. Und er dürfte sogar in jenen Kreisen bekannt sein, die an Wirtschaft kein Interesse haben. Denn Keynes gilt als Begründer jener Schule wirtschaftlicher Denker, die dem Staat mehr als nur eine bloße Nachtwächterrolle zumisst.

Der Vordenker: John Maynard Keynes wurde 1883 in Cambridge geboren - übrigens als Sohn eines Ökonomieprofessors. Er studierte Philosophie, Geschichte, Mathematik und Ökonomie in Cambridge. Er war unter anderem auch Herausgeber des "Economic Journals" und Mitglied der Commission on Indian Finance and Currency. 1946 verstarb Keynes.
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Der Vordenker: John Maynard Keynes wurde 1883 in Cambridge geboren - übrigens als Sohn eines Ökonomieprofessors. Er studierte Philosophie, Geschichte, Mathematik und Ökonomie in Cambridge. Er war unter anderem auch Herausgeber des "Economic Journals" und Mitglied der Commission on Indian Finance and Currency. 1946 verstarb Keynes.
Der Staat solle nicht bloß die Aufsicht führen, sondern gegebenenfalls eingreifen. Denn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steuere die Wirtschaft. Und dazu gehört auch der Staat.

Das mit den Gräben, das war auch Keynes. Der Brite plädierte dafür, der Staat solle notfalls selbst zum Kunden werden. Es sei also besser, die Menschen Gräben ausheben und dann wieder zuschütten zu lassen als die Menschen in der Arbeitslosigkeit zu belassen. Denn so werde immerhin die Nachfrage angekurbelt.

Für diese Fokussierung auf die Nachfrage dürften ihm Gewerkschaftler weltweit noch immer ein Lichtlein am 21. April, dem Todestag des Briten, entzünden. Immerhin verleiht er damit ihren steten Forderungen nach höheren Löhnen wissenschaftliches Fundament. Keynes selbst sprach von der inhärenten Unsicherheit der Wirtschaft. Anders als die bis dato herrschende Meinung darlegte, komme es also nicht automatisch zu einem Gleichgewicht am Arbeitsmarkt. Um das zu erreichen, sei neben dem privaten Konsumenten auch der Staat in der Pflicht. Im Abschwung, so Keynes, solle der Staat die Wirtschaft durch Aufträge stützen - zum Beispiel mit den genannten Bauaufträgen. "Deficit spending" ist das Schlagwort, das seitdem die Runde macht - angeblich nicht von Keynes selbst geprägt. Im Aufschwung könne sich der Staat dann wieder finanzieren, zum Beispiel über höhere Mehrwertsteuern.

Das gleiche Bild auf Unternehmensebene - auch sie trügen eine Verantwortung gegenüber der Gesamtwirtschaft. Daher sollen Unternehmen ihren Angestellten auch in Krisenzeiten nicht die Löhne kürzen, so seine Empfehlung.

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