Montag, 17. Dezember 2018

ATU KKR schießt Kapital nach

Die Werkstattkette ATU hat im vergangenen Jahr offenbar einen herben Gewinneinbruch verzeichnet. Ratingagenturen stellen bereits die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Unternehmens in Frage. Eigentümer KKR setzt auf eine strategische Neuausrichtung.

Frankfurt am Main - Der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) Börsen-Chart zeigen will der Werkstattkette ATU (Auto Teile Unger) nach einem enttäuschenden Jahresergebnis frisches Kapital zuschießen. "Wir stehen zu unserem Investment und werden den Banken ein Finanzierungspaket vorlegen, das auch die Zuführung von Eigenkapital vorsieht", sagte ein Sprecher der Beteiligungsfirma am Freitag und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters.

ATU-Filiale: Zu wenig Gewinn, zu hohe Schulden
In Finanzkreisen gilt es als sehr wahrscheinlich, dass mit einer Kapitalspritze des Mehrheitseigners auch die weitere Unterstützung der Gläubiger gesichert sein dürfte. Die Verhandlungen über eine Refinanzierung würden wohl noch im ersten Quartal erfolgreich abgeschlossen.

ATU steht unter Druck, da die Ergebnisentwicklung vor allem wegen eines schwachen Winterreifengeschäfts hinter den in den Kreditverträgen geforderten Summen zurückbleibt. Bankenkreisen zufolge verdiente ATU 2007 nur knapp über 100 Millionen Euro nach 160 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte erst am Mittwoch die Bonitätsbewertung von ATU gesenkt. Finanzkreisen zufolge hat ATU Schulden von 800 Millionen Euro. Ein ATU-Sprecher wollte die Geschäftszahlen nicht bestätigen. Er sagte lediglich, das vergangene Jahr sei wegen des milden Winters enttäuschend verlaufen. Für das laufende Jahr sei er aber grundsätzlich optimistisch.

KKR setzt nun auf eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens, die der neue Chef Michael Kern vorantreiben soll. Demnach soll die Abhängigkeit vom Winterreifengeschäft reduziert und verstärkt auf andere Bereich wie etwa das Flottenmanagement gesetzt werden. Finanzkreisen zufolge soll die neue Strategie am 22. Februar den Banken vorgestellt werden. "Wir sehen noch erhebliches Wachstumspotenzial für die ATU-Gruppe", sagte der KKR-Sprecher.

Die Kapitalspritze macht deutlich, dass der Finanzinvestor offenbar keinen schnellen Ausstieg bei ATU plant. KKR hatte 2004 die Mehrheit an ATU für 1,45 Milliarden Euro vom Finanzinvestor Doughty Hanson übernommen. Ein Großteil der Übernahme wurde wie bei Beteiligungsfirmen üblich mit Schulden finanziert, die dann auf die Firma überwälzt wurden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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