Freitag, 16. November 2018

Deutsche Börse Umzug nach Eschborn

Um Gewerbesteuern zu sparen, will die Deutsche Börse ihre Frankfurter Zentrale aus dem Stadtteil Hausen ins benachbarte Eschborn verlagern. Der bekannte Handelsplatz in der Alten Börse in der Frankfurter Innenstadt bleibt jedoch erhalten.

Frankfurt am Main - Bis Sommer 2010 soll in Eschborn ein Neubau entstehen, den die Börse dann mieten wird. Bereits im Laufe des zweiten Quartals 2008 sollen gut 1000 Mitarbeiter vorübergehend in ein bestehendes Gebäude in Eschborn umziehen. Das beschloss der Vorstand der Deutschen Börse am Freitag.

Abschied im Jahr 2010: Zentrale der Deutschen Börse in Frankfurt-Hausen
Deutsche Börse
Abschied im Jahr 2010:
Zentrale der Deutschen Börse in Frankfurt-Hausen
Der Mietvertrag für das derzeitige Bürogebäude in Frankfurt- Hausen, das die Deutsche Börse erst im Jahr 2000 bezogen hatte, läuft Mitte 2010 aus. Der DAX-Konzern beschäftigt insgesamt gut 3000 Mitarbeiter weltweit, die meisten in Deutschland und Luxemburg.

Die Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK) zeigte Verständnis für den Umzug. "Wir begrüßen es, dass die Deutsche Börse AG mit der Entscheidung für Eschborn ein dauerhaftes Bekenntnis zum Standort FrankfurtRheinMain und zum Finanzplatz Frankfurt abgibt", sagte IHK-Präsident Hans-Joachim Tonnellier laut Mitteilung der Kammer.

Für Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) ist die Entscheidung "Folge eines nicht gerechtfertigten Standortvorteils einer Gemeinde auf Kosten der Stadt". Frankfurt schaffe mit seiner Infrastruktur eine hohe Standortattraktivität für eine ganze Region. Allein dies ermögliche es den Umlandgemeinden, mit niedrigen Gewerbesteuerhebesätzen Unternehmen an sich zu ziehen. Die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Römer, Sylvia Weber, nannte die Entscheidung in einer Mitteilung einen "schweren Schlag für den Wirtschaftsstandort Frankfurt".

Die Aktien der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen sind nach Verkündung der Umzugspläne des Unternehmens ins Plus gedreht und haben sich sehr fest entwickelt. Durch den Fortgang aus Frankfurt-Hausen in Richtung Eschborn werde die Gewerbesteuerbelastung signifikant sinken und auch die Gebäudekosten niedriger sein, was insgesamt deutlich positive Auswirkungen auf die Gewinnentwicklung haben werde, hatte der Marktbetreiber am späten Vormittag mitgeteilt.

Analysten sagten, das werde Auswirkungen auf ihre Bewertungsmodelle haben und dürfte teilweise auch Kurszielanhebungen mit sich bringen. Der an diesem Morgen veröffentlichte monatliche Erlösausweis der Deutsche-Börse-Tochter Clearstream hatte indes keine Auswirkungen auf die Aktienentwicklung.

"Für die Aktionäre der Deutschen Börse ist die Mitteilung positiv", sagte ein Analyst. Mit Blick auf die Kosten sei der Umzug sinnvoll. "Die Gewerbesteuer ist in Eschborn niedriger und die Miete auch geringer, und de facto ist es egal, wo das Bürogebäude des Unternehmens steht", sagte er. "Da dadurch netto beim Unternehmen mehr übrig bleibt, werden die Bewertungsmodelle der Analysten nun wohl überarbeitet."

Analyst Andreas Pläsier von M.M. Warburg sieht dies genauso: "Das ist eine positive Nachricht, zumal die Deutsche Börse davon ausgeht, durch den Umzug eine signifikante Ergebnisverbesserung zu erzielen." Da dies kein Einmaleffekt sei, sondern längerfristige Auswirkungen habe, dürften die Aussagen bei den Analysten nun Kursziel-Anpassungen nach oben auslösen.

Die Deutsche Börse hatte mitgeteilt, dass sich die Steuerquote bereits 2008 unter anderem durch den Umzugsstart nach Eschborn, der Übernahme der US-Optionsbörse ISE und die Unternehmenssteuerreform auf zunächst "unter 30 Prozent" reduzieren werde. Bislang waren 31 bis 33 Prozent prognostiziert worden. Im Jahr 2010 soll sie dann zwischen 25 und 27 Prozent liegen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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