Sonntag, 17. Februar 2019

Russland Schulden wachsen wie ein Schneeball

23 Milliarden US-Dollar zahlte Russland im August 2006 an die Gläubiger zurück und tilgte damit die gesamte Staatsschuld. Ein Jahr später steckt das Land wieder tief in den Schulden - allerdings nicht Staat und Regionen, sondern die staatseigenen Unternehmen.

Moskau - Die Zentralbank Russlands schlägt Alarm: Die Auslandsverbindlichkeiten der russischen Staatskonzerne wachsen viel zu schell an. Betrugen sie vor fünf Jahren noch 1,75 Milliarden US-Dollar, so stiegen sie bereits 2005 auf mehr als 20 Milliarden an und liegen jetzt bei etwa 120 bis 130 Milliarden. Das ist fast dreifach so hoch wie die gesamte Außenschuld aller Staatsebenen der Russischen Föderation. "Die Gläubiger halten die Darlehen an staatseigene Unternehmen für staatlich gesichert", sagt der Vizepräsident der russischen Zentralbank Alexej Uljukajew und schlägt eine Gesetzesinitiative vor, die die Kreditaufnahme staatlicher Konzerne in Grenzen halten soll.

So beginnt es: Mit kleinen Schulden
Diese Initiative ist aber nur schwer gegen den Widerstand der finanzindustriellen Lobbys durchzusetzen. Noch vor einem Jahr hat es in Russland eine Regelung gegeben, wonach die Staatskonzerne einen Teil ihrer Auslandskredite in eine Zwangsreserve einzahlen mussten. Das hat die Kredite zwar teurer gemacht, zugleich aber Risiken minimiert. Dann wurde auch diese Vorschrift aufgehoben. Jetzt haben die Staatskonzerne freie Hand für eine unbegrenzte Schuldenanhäufung. Und sie machen von dieser Möglichkeit exzessiv Gebrauch.

Allein die Schulden der beiden Energieriesen Gasprom und Rosneft schätzen die Experten auf 60 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Drittel der Gesamteinnahmen des russischen Staatshaushalts im Jahr. Der Schuldenberg würde nicht ganz so drückend wirken, wenn das aufgenommene Kapital in Modernisierung und Ausbau der Produktion investiert worden wäre. Beim hohen Alterungs- und Verschleißgrad der Industrieanlagen in Russland ist eine Modernisierung bitter nötig. Doch das Geld geht meist in den Kauf neuer Aktiva.

Der staatliche Ölkonzern Rosneft Börsen-Chart zeigen nahm 2005 den bislang größten Unternehmenskredit in der russischen Wirtschaftsgeschichte auf. Knapp 25 Milliarden US-Dollar stellte ihr ein Bankensyndikat aus sechs europäischen und amerikanischen Kreditinstituten zur Verfügung. Der ganze Betrag wurde in den Aufkauf des zerschlagenen Erdölkonzerns Jukos gesteckt. Rosneft hat sich dabei so stark verausgabt, dass das Unternehmen für sein laufendes Geschäft noch ganz schnell 250 Millionen US-Dollar borgen musste, um akute Liquiditätslücken zu schließen. Die staatlich kontrollierte VTB-Bank hat die Kreditlinie für ein Jahr zu einem Zinssatz von sieben Prozent eingeräumt — für russische Verhältnisse ausgesprochen günstig.

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