Montag, 22. Oktober 2018

Deutz Kein Käufer für die Wedag

Die Kölner werden ihre Industrieanlagen-Tochter Wedag nun doch nicht los. Überraschend sprang der Kaufinteressant ab. Dabei hatte Deutz-Chef Schneider den Erlös schon verplant und bei den Aktionären Hoffnungen geweckt.

Köln - Die über lange Jahre hinweg krisengeschüttelte Deutz AG sieht trotz des überraschenden Ausstiegs des Wedag-Käufers keine sich möglicherweise anbahnende Krise. "Davon kann keine Rede sein. Allerdings haben wir ein Kommunikationsproblem", erläuterte Deutz-Sprecher Andreas Menke mit Blick auf die weiterhin leeren Kassen.

Deutz und der nicht genannte Kaufinteressent hatten sich darauf geeinigt, die Verkaufsverhandlungen nicht fortzusetzen. Die erfreuliche Entwicklung der Auftragseingänge insbesondere in der Zementtechnik ermögliche dem Unternehmen eine erfolgreiche Fortführung des Industrieanlagengeschäfts, heißt es bei Deutz.

In den vergangenen Wochen habe der Vorstand Erwartungen allerdings geweckt, die nun nicht erfüllt würden. Und dies, nachdem die Gespräche im September zu einem Letter of Intent geführt und Deutz-Vorstand Anton Schneider den erwarteten Gewinn bereits verplant hatte.

Zum einen wollte Schneider mit 40 Millionen Mark die Restruktuierung der Standorte Passau und Mannheim abdecken. Zum anderen hatte Schneider wieder seit über acht Jahren einem sehr positiven Ergebnis entgegen gesehen. Eine Detailprüfung, führte Menke aus, habe gezeigt, dass die 400 Millionen Mark umsatzstarke Industrieanlagentochter KHD Humboldt Wedag AG nun doch nicht nach monatelangen Verhandlungen zu dem bis dato Kaufwilligen gepasst habe.

Laut Menke werde sich diese neue Situation auf die Ergebnisentwicklung auswirken, obleich der Industrieanlagenbau ohne Dessau im diesem Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen werde.

Die erfreuliche Entwicklung der Auftragseingänge vor allem in der Zementtechnik ermögliche ein erfolgreiches Industrieanlagengeschäft. Die außerordentlichen Aufwendungen für die beiden Standorte würden das Ergebnis nach unten ziehen und beim Jahresüberschuss werde Deutz - bei einem voraussichtlich besseren operativen Ergebnis - leicht rosa Zahlen ausweisen, sagte der Sprecher.

Unterdessen reagierte der Markt auf den Ausstieg des Käufers. Wie es heißt, wird die Wende bei Deutz weiter auf sich warten lassen. Bis Mittag verloren die Deutz-Stammaktien im Xetra-Handel 8,9 Prozent auf 5,10 Euro.

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