Montag, 10. Dezember 2018

Allianz Kauft Pimco

Der Versicherungsriese baut die Vermögensverwaltung aus. Für üppige 3,3 Milliarden Dollar kauft die Allianz 70 Prozent von Pimco, dem grössten US-Verwalter für Rentenfonds. Der Kauf soll ab 2003 den Allianz-Gewinn erhöhen.

München/Newport Beach - Die Allianz zahlt 38,75 Dollar je Pimco-Aktie in bar. Das sind rund zwölf Prozent über dem letzten Kurs von Freitag. Pimco ist kein Schnäppchen: Die Münchner zahlen das 1,8fache des von Pimco verwalteten Vermögens und damit den zweithöchsten Preis, der jemals für die Übernahme eines Investmenthauses geboten wurde.

Auch von der Börsenbewertung legen die Münchner einiges drauf. Pimco kostet nach dem Kaufpreis etwa das 22,5fache des Gewinns. Der weltgrösste börsennotierte Vermögensverwalter Franklin Resources wird derzeit mit einem Verhältnis von 20,7 bewertet.

Die Allianz steigt mit der Übernahme zum sechstgrössten Vermögensverwalter der Welt und zur Nummer eins in Deutschland auf. Allerdings bleiben die Münchner in Europa noch hinter dem französischen Konkurrenten Axa.

Ergebnis leidet

Die Übernahme wird sich erst im Jahr 2003 positiv auf das Ergebnis der Allianz auswirken. Der Vorstandsvorsitzende Henning Schulte-Noelle sagte, man rechne dann mit einem Effekt von rund 0,70 Euro je Aktie. Im gleichen Jahr soll auch der Return on Investment erstmals die Kapitalkosten von 7,9 Prozent übertreffen.

Das Ergebnis des nächsten Jahres werde die Transaktion jedoch mit etwa 0,30 Euro je Aktie verwässern. 1998 hatte die Versicherung ein Ergebnis von 7,50 Euro je Aktie ausgewiesen. Im Cash-flow werde sich der Kauf dagegen bereits im Jahr 2000 mit 0,50 Euro je Aktie positiv niederschlagen. Die Transaktion im Volumen von 6,1 Milliarden Mark soll nach dem Willen der Allianz Ende März abgeschlossen sein. Sie zeige, dass die Allianz das Geschäft mit der Vermögensverwaltung zum dritten Kerngebiet des Konzerns ausbauen wolle, meinte Schulte-Noelle.

Die restlichen gut 30 Prozent an Pimco bleiben in Händen der US-Lebensversicherung Pacific Life. Allerdings könnte sich die Allianz auch eine Aufstockung vorstellen. Auf jeden Fall wird Pimco vom Börsenzettel verschwinden.

Gut bei Renten, schwach bei Aktien

Im Zuge der Übernahme hat die Allianz auch das Pimco-Management beteiligt. Sie sollen mit Gewinnbeteiligungen gehalten werden und dürfen aktuell eigene Aktien für rund eine Milliarde Dollar verkaufen. Wichtig ist vor allem Mitgründer und Fondsmanager William Gross, ein früherer Blackjack-Profi.

Er leitet den weltgrössten Rentenfonds, den Pimco Total Return, mit einem Volumen von rund 29 Milliarden Dollar. Der Fonds rangierte laut Pimco in den vergangenen zehn Jahren stets unter den Top-Ten-Performern. Weniger erfolgreich war Pimco dagegen bei der Akquisition von Kundengeldern für Aktienfonds.

Trotz zweier Käufe, Thomson Management und Oppenheimer Capital, gelang es Pimco nicht, das lukrative Aktienfonds-Geschäft auszuweiten. Trotz der Nachfrage selbst von bislang eher risikoscheuen Investoren ging der Anteil der Aktien am Pimco-Vermögen von 44 Prozent auf rund 33 Prozent zurück.

Auslandsgeschäft ist klein

Nur sechs Prozent des von Pimco verwalteten Vermögens stammt von Klienten ausserhalb der USA. Das Management möchte diesen Anteil auf rund 20 Prozent ausweiten. Der Vermögensverwalter des Konkurrenten Axa, die Alliance Capital Management, verwaltetet derzeit mehr als doppelt soviel Vermögen für internationale Kunden.

Pimco hat das dritte Quartal 1999 mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 86 Millionen Dollar abgeschlossen; 1998 belief sich das Ebitda auf 302 (261) Millionen Dollar.

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