Samstag, 17. November 2018

Cewe Color Hedgefonds ausgebremst

Im Machtkampf beim Oldenburger Fotodienstleister Cewe Color haben US-Finanzinvestoren eine Niederlage erlitten. Auf der Hauptversammlung setzte sich das Management nach zäher Auseinandersetzung mit klarer Mehrheit durch. Die Präsenz der Aktionäre erreichte mit 87 Prozent Rekordniveau.

Oldenburg - Ein Duell kennt nur einen Sieger. Auf der Hauptversammlung des SDax-Unternehmens Cewe Color Börsen-Chart zeigen, lange als Showdown in Westernmanier angekündigt, setzte sich das Management am Donnerstag in allen Punkten durch. Für den Dividendenvorschlag von 1,20 Euro gab es eine satte 84-Prozent-Mehrheit. Der Aufsichtsrat wurde knapp bestätigt. Sogar die von Aktionären beider Seiten kritisierte Satzungsänderung, die Mehrheiten auf künftigen Hauptversammlungen schwieriger macht, kam mit 53,8 Prozent durch.

Cewe-Color: "Ein niedersächsisches Vorzeigeunternehmen"
In frostiger Stimmung hatte das Aktionärstreffen begonnen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hubert Rothärmel bedankte sich zwar zu Beginn für das große Interesse, dessentwegen die Versammlung aus einem Hotel in eine Basketball-Arena verlegt wurde. Wahre Freude verrieten das eingefrorene Lächeln von Vorstandschef Rolf Hollander und die Nervosität auf dem Podium jedoch nicht. Das Wort "Gegenanträge" sprach Rothärmel vorwurfsvoll gedehnt aus.

Die Versammlung war von einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Management und US-Finanzinvestoren, die Aufsichtsrat und Vorstand austauschen und einen Strategiewechsel herbeiführen wollten, geprägt.

Gleich zu Beginn sah Rothärmel sich zu einer Erklärung in eigener Sache veranlasst. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg habe das erst vor einer Woche eingeleitete Verfahren gegen ihn wegen Insiderhandels inzwischen eingestellt, auch die Finanzaufsicht BaFin ermittle nicht deswegen. Auch der andere von Hedgefonds erhobene Vorwurf, Rothärmel habe mit Hollander eine Kursmanipulation verabredet, werde sich bald ausräumen lassen.

Beifall für 1,20 Euro statt fünf Euro Dividende

Hollander verwies zum Beleg auf den Aktienkurs, der nach jeder Veröffentlichung neuer Zahlen gestiegen sei. "Wie Sie sehen, ist der Vorwurf, dass der Kurs gedrückt wurde, völlig absurd", sagte er. Er sei "froh darüber", dass der Verdacht geklärt werde, es habe auch nur den Versuch dazu gegeben.

"Und nun zurück zum Formalen", leitete Rothärmel nach seiner Erklärung sichtlich erleichtert zur Tagesordnung über. Doch die brachte gleich neuen Streit. Ein Vertreter der Finanzinvestoren gab zu Protokoll, Rothärmel sei gar nicht berechtigt, die Versammlung zu leiten.

Beifall von den Rängen bekam Vorstandschef Hollander, als er sich direkt gegen eine Forderung des Investors David Marcus wandte. "Wir müssen in unsere Zukunft investieren", sagte Hollander. "Deswegen sind Sonderausschüttungen nicht angebracht und nicht nötig." Der Vorstand warb für seinen Dividendenvorschlag von 1,20 Euro je Aktie, "die höchste Ausschüttung der Firmengeschichte". Marcus hatte in den vergangenen Monaten eine zusätzliche Dividende von fünf Euro verlangt.

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