Montag, 25. März 2019

Dax-Geflüster Die magische Zahl 25

Ausländische Pensionsfonds mit Beteiligung an deutschen Aktiengesellschaften machen Druck: Deutschlands Konzerne müssen noch heftiger und erbarmungsloser auf Profit getrimmt werden, damit die deutschen Firmen mehr Geld an die Pensionskassen überweisen. Nur so können die ausländischen Fonds ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen. Und die Rente bleibt sicher - im Ausland.

Die meisten Bundesbürger haben sich mittlerweile daran gewöhnt. Immer höher schrauben die Firmenlenker der großen Börsenkonzerne hierzulande ihre Renditeansprüche.

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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann war es, der das Rennen eröffnete - und seinem Unternehmen das magische Renditeziel von 25 Prozent vorgab. Jetzt versuchen andere Topmanager diese Marke ebenfalls erreichen: Allianz-Lenker Michael Diekmann beispielsweise will dafür sogar 7500 Stellen bei Deutschlands bedeutendstem Versicherer streichen, obwohl der Konzern im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn von 4,4 Milliarden Euro erzielte. Und nun zieht selbst Eon Börsen-Chart zeigen nach, Deutschlands wertvollstes Dax-Unternehmen: Die größte Versorgerfirma hierzulande möchte seine Energiespartenmitarbeiter länger arbeiten lassen, um noch mehr aus dem Unternehmen rauszuholen. Obwohl der Düsseldorfer Energieriese zuletzt 8,2 Milliarden Euro vor Steuern verdient hat.

Nicht alle Deutschen haben sich dann auch an die magischen Renditevorgaben der Konzernlenker gewöhnt, wenn dafür Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) ist einer von ihnen. Er sprach deshalb vor Wochen in den USA einige Wall-Street-Banker an, wie diese ominöse 25-Prozent-Renditevorgabe eigentlich entstanden sei. Jene Renditevorgabe also, die jetzt so viele deutsche Konzerne glauben, erreichen zu müssen.

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Die Antwort der Banker: Das sei die Mindestrentabilität, die Amerikas Pensionsfonds aus ihren Beteiligungen herausholen müssten, um die Renten der Amerikaner zu finanzieren.

Hätten die Wall-Street-Profis Recht, müssten also Deutschlands Konzerne immer heftiger und erbarmungsloser auf Profit getrimmt werden, damit die Rente sicher ist - in den USA. Und tatsächlich, wichtige Dax-Unternehmenslenker hierzulande glauben offenbar den Fonds, ihren Anteilseignern, gehorchen zu müssen:

"Es wäre in der heutigen Zeit albern, die Macht der Börse zu ignorieren", sagt beispielsweise Linde-Chef Wolfgang Reitzle dem "SPIEGEL"; er hat sein Unternehmen durch den Verkauf der ehemaligen Gabelstaplersparte des Konzerns mittlerweile so stromlinienförmig aufgestellt, wie es die internationale Finanz-Aristokratie jahrelang vergeblich gefordert hat.

"Herr Rüttgers hat, glaube ich, die richtigen Leute bei seiner USA-Reise getroffen. Der Einfluss der Fonds auf die deutsche Wirtschaft ist die logische Folge der Globalisierung", sagt selbst Hans-Olaf Henkel zu manager-magazin.de, der ehemalige IBM-Deutschland-Chef, Ex-BDI-Präsident und heutige Präsident der Leibniz-Wissenschaftsgemeinschaft. Seiner Meinung nach wird der Einflussversuch der Fonds auf deutsche Firmen tendenziell sogar noch zunehmen.

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