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18.07.2006
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Konjunktur
Der schwarz-rote Bremsklotz

Unklarer kann das Bild über Deutschlands Konjunktur heute nicht sein. Die Experten des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung melden einen Einbruch der Wachstumserwartungen, zeitgleich erhöhen ihre Kollegen vom Hamburger Weltwirtschaftsarchiv ihre Jahresprognose für die Bundesrepublik. In einem sind sich die Forscher aber einig: Dass es nicht besser wird, liegt an der Bundesregierung.

Hamburg - Die Konjunkturerwartungen des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) für Deutschland sind im Juli 2006 deutlich um 22,7 Punkte gefallen. Der Indikator steht nun bei 15,1 Punkten nach 37,8 Punkten im Juni. Damit liegt er weit unter seinem historischen Mittelwert von 35,2 Punkten und auf dem niedrigsten Niveau seit Mai 2005. Dagegen ist der Indikator für die aktuelle konjunkturelle Lage von 11,9 Punkten im Juni auf aktuell 23,3 Punkte gestiegen.

Deutsche Konjunktur: Gute Lage, schwächere Aussichten
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DPA

Deutsche Konjunktur: Gute Lage, schwächere Aussichten

Grund für den harten Einbruch bei den Konjunkturerwartungen ist nach Meinung der Konjunkturforscher insbesondere der hohe Ölpreis. Zudem sacke Amerikas Konjunktur ab, so dass die Exportaussichten für deutsche Firmen schlechter würden. "Der erneute Rückgang des Indikators ist ein deutliches Zeichen, dass die bisherige Reformpolitik der Bundesregierung den Erwartungen nicht gerecht werden konnte. Insgesamt werden die Bürger mit neuen Belastungen konfrontiert, ohne dass Reformerfolge erkennbar sind, geschweige denn umgesetzt wurden. Es bleibt zu hoffen, dass sich die mangelnde Reformfähigkeit der Regierung nicht nachhaltig auf das Investitionsklima auswirkt", kommentiert ZEW-Präsident Wolfgang Franz die neuesten Daten.

Das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) hat seine Wachstumsprognosen für Deutschland dagegen heute leicht angehoben. Der Aufschwung habe sich in diesem Jahr weiter verstärkt, und die Aussichten seien gut, dass er sich fortsetze. Nach wie vor sei der Export eine wichtige Triebfeder der Konjunktur, aber auch die Binnennachfrage habe an Schwung gewonnen. Maßgeblichen Anteil daran habe die Investitionstätigkeit. Doch die Dynamik daraus werde gebremst, und schuld daran sei die Bundesregierung.

"Konterkariert wird die gute Entwicklung teilweise durch die Finanzpolitik der Regierung, die zu erheblichen Verwerfungen führt", sagt HWWA-Forscher Eckhard Wohlers. Sie saniere den Staatshaushalt vor allem mit Steuererhöhungen im Umfang von 24 Milliarden Euro, die das strukturelle Etatdefizit der Bundesrepublik auf einen Schlag nahezu um 1 Prozentpunkt senkten. "Auch wenn sich die Konjunktur mittlerweile deutlich gefestigt hat, führt ein Swing solchen Ausmaßes zu erheblichen Bremseffekten", sagt Wohlers, deshalb werde das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr in Deutschland zwar bei 1,6 Prozent liegen. Doch im kommenden Jahr rutsche es wegen der Steuererhöhungen voraussichtlich auf 1,0 Prozent ab.

Im Januar hatten die Forscher ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 Prozent für 2006 und von 0,8 Prozent für 2007 prognostiziert. Die Hamburger Wirtschaftsforscher bleiben damit trotz der angehobenen Konjunkturprognose deutlich hinter den Erwartungen anderer führender Konjunkturforschungsinstitute zurück. Sie rechnen mit einem Wachstum von 1,8 bis 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht derweil weiter davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im laufenden Jahr real um rund 2 Prozent wachsen wird. Als Gründe für die optimistische Wachstumsprognose im laufenden Jahr nannte BDI-Präsident Jürgen Thumann am Montagabend in Berlin solide Exporte und Investitionen. Thumann hob hervor, dass die Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen im zweiten Quartal kräftig gestiegen seien. Die Zahlen zeigen nach seinen Worten, dass es sich nicht nur um Ersatzinvestitionen handele, sondern dass die Unternehmen ihre Kapazitäten erweiterten. Damit stiegen auch die Chancen auf mehr Arbeitsplätze in Deutschland.

Die neuesten Konjunkturdaten schlagen sich bereits in den Kursen an der wichtigsten deutschen Börse in Frankfurt am Main nieder. Der Leitindex Dax Chart zeigen verliert 0,5 Prozent an Wert. Dagegen legt der Rentenmarkt zu: Der richtungweisende Bund-Future legte gegen 11.02 Uhr um 0,06 Punkte auf 116,12 Punkte zu. Kurz vor Bekanntgabe der ZEW-Konjunkturdaten war er noch bei 116,06 Zählern gehandelt worden.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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