Sonntag, 9. Dezember 2018

Konjunktur "Ich bin sprachlos"

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni überraschend aufgehellt. Die deutschen Unternehmen schätzen sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Perspektiven positiver ein. Analysten zeigen sich angesichts der neuen Ifo-Zahlen stark überrascht.

München - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 106,8 von 105,7 Punkten, wie das Münchener Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt damit gerechnet, dass der Ifo-Index auf 105,0 Punkte sinkt.

Optimismus keimt auf: Deutsche Unternehmen schätzen ihre Lage besser als erwartet ein
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Optimismus keimt auf: Deutsche Unternehmen schätzen ihre Lage besser als erwartet ein
Die rund 7000 befragten Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Situation besser als im Mai: Der Lageindex kletterte auf 109,4 von 107,3 Punkten. Auch ihre Geschäftsaussichten beurteilten die Firmen etwas optimistischer, der Erwartungsindex kletterte auf 104,2 von 104,0 Punkten.

"Der konjunkturelle Aufschwung erweist sich damit erneut als robust", erklärte das Ifo-Institut. Die Situation in weiten Teilen der Wirtschaft bessere sich spürbar und deutlich, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Auch der Konsum belebe sich: "Wir erwarten eine weiterhin solide Entwicklung, die nach wie vor an Breite gewinnt."

"Ich bin sprachlos"

Einzelne Analysten zeigten sich angesichts der neuen Daten stark überrascht. "Ich bin sprachlos, wir hätten keinesfalls mit einem weiteren Anstieg gerechnet", sagte zum Beispiel Sebastian Wanke von der Deka-Bank. Der Verlauf der Fußball-WM habe wohl die Stimmung der Unternehmen beflügelt: "Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen sind anscheinend schon im Finale."

Analyst Ralph Solveen von der Commerzbank sagte: "Das ist eine deutliche, positive Überraschung. Wir hätten nicht gedacht, dass die Lagebeurteilung nochmal so deutlich ansteigen würde. Gerd Hassel von der BHF-Bank sagte. "Der Anstieg ist ein Grund zur Euphorie." Im zweiten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kräftig wachsen.

Analysten und Volkswirte sind sich jedoch einig, dass die Dynamik der Wirtschaft wegen der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung im weiteren Verlauf des Jahres zurückgehen wird. Im kommenden Monat werde der Blick - nach der WM - stärker auf den Jahreswechsel gerichtet sein, wo wegen der Steuererhöhung ein deutlich schwächerer privater Konsum zu erwarten sei, sagte Wanke: "Der eigentliche Lackmus-Test für den Ifo-Index steht im Juli an."

Derzeit schiebe vor allem die Industrie, die von der boomenden Weltwirtschaft profitiert, die Konjunktur an, sagte Solveen. Allerdings waren die Exporterwartungen der Unternehmen im Juni etwas weniger optimistisch als im Mai. Die Laune bei den Einzelhändlern und im Baugewerbe verbesserte sich.

Spielraum der EZB für Zinserhöhungen steigt

Angesichts der sich weiter aufhellenden Konjunktur in Deutschland sieht Abberger Spielräume für weitere Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank, allerdings sollten diese allenfalls in kleinen Schritten erfolgen: "Die Notwendigkeit von den Preisen her ist nicht so, dass man schnell und unmittelbar reagieren müsste."

Der überraschende Anstieg des Ifo-Index belastete den für die europäischen Rentenmärkte Richtung weisenden Bund-Future, der nach Veröffentlichung der Daten ins Minus drehte und neun Ticks tiefer bei 114,95 Zählern notierte. Der Euro stieg zeitweise über 1,26 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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