Dienstag, 20. Februar 2018

Fischer-Kolumne Gute Nachricht für Firmengründer

Die "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" gehört zu den populärsten Rechtsformen in Deutschland. Doch wie so oft muss man vor der Gründung einen bürokratischen Berg überwinden. Dieser Berg soll jetzt endlich abgetragen werden.

Für die Vereinfachung der GmbH-Gründung gibt es eine Reihe guter Argumente. An erster Stelle steht die Forderung, dass man alles unterlassen muss, was die Gründer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung hemmt oder gar davon abhält, eine Gesellschaft zu gründen. Es kann nicht sein, dass ein Unternehmer gerade in der Gründungsphase mehr Zeit für bürokratische Gründungsaufgaben aufwenden muss als für den Aufbau der geschäftlichen Ziele.

Firmengründer: Bevor sie ihren eigentlichen Geschäften nachgehen können, haben sie viele Hürden zu überwinden. Der Gesetzgeber will jetzt Abhilfe leisten
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Firmengründer: Bevor sie ihren eigentlichen Geschäften nachgehen können, haben sie viele Hürden zu überwinden. Der Gesetzgeber will jetzt Abhilfe leisten
Seit ein paar Jahren steht die GmbH zusehends in Konkurrenz zu Gesellschaftsformen aus der Europäischen Union. Bereits Ende 2003 haben Richter des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) entschieden, dass Gesellschaften aus EU-Staaten auch in anderen EU-Staaten tätig werden dürfen. Jeder Bürger eines EU-Landes kann also auch in einem anderen EU-Land eine Gesellschaft nach dem dort geltenden Recht gründen.

Die britische Limited Company

In diesem Zusammenhang wird oft von der brtischen Limited Company gesprochen. Deutsche dürfen diese in England gründen, selbst wenn sie damit lediglich das deutsche Gesellschaftsrecht umgehen wollen. Doch hier sollte man die Vor- und Nachteile abwägen.

Im Vergleich zur GmbH hat die Limited Company zunächst einige Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Diese finden sich insbesondere im Bereich der Gründung.

Nimmt die Gründung einer GmbH in der Regel bis zu mehreren Monaten in Anspruch, kann die Limited Company innerhalb weniger Tage, im Extremfall sogar innerhalb von 24 Stunden gegründet werden. Muss man bei der GmbH-Gründung inklusive der juristischen Beratung Gesamtkosten von 1500 bis 2000 Euro veranschlagen, kostet die Gründung einer Limited Company im Normalfall lediglich rund 700 Euro.

An Haftungskapital müssen bei der GmbH mindestens 25.000 Euro gezeichnet und im Normalfall mindestens die Hälfte dieses Betrages in die zu gründende Gesellschaft eingezahlt werden.

Bei der Limited Company liegt die Untergrenze bei einem englischen Pfund. Notarielle Beurkundungen entfallen hier nahezu komplett. Auch steuerlich kann sich die Limited Company rechnen. Doch man sollte beim Vergleich mit der GmbH auch die Nachteile nicht unterschlagen.

Zunächst muss die Limited Company in Großbritannien ansässig sein. Deshalb muss es mindestens eine Adresse und eine Vertretung dort geben. Hier helfen diverse Dienstleister, deren Gebührensätze sehr unterschiedlich sind. Wie überall gibt es auch unter diesen Agenturen schwarze Schafe. Da das englische Gesellschaftsrecht eine hohe personelle Transparenz von der Limited Company verlangt, kann man schnell in die Abhängigkeit der Agentur schlittern.

Liegt der Haupttätigkeitsbereich in Deutschland, muss hier eine Steuererklärung und in Großbritannien ein Jahresabschluss eingereicht werden.

Damit kommt man zum größten Nachteil: der juristischen Zweistaatlichkeit. Die Limited Company ist eine rein englische Gesellschaftsform. Deshalb muss sich der Gründer überlegen, ob er sich mit zwei Rechtssystemen herumschlagen will: Gesellschaftsrechtlich gilt zwar das englische Recht, steuerlich und bilanziell gelten aber das deutsche und das englische Recht.

Auch Banken sind in Deutschland gegenüber der Limited Company noch eher kritisch eingestellt, was die Kapitalbeschaffung erschwert.

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