Freitag, 14. Dezember 2018

Reto Francioni Der vorsichtige Diplomat

Reto Francioni ist neuer Vorstandschef der Deutschen Börse. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Werner Seifert trauen ihm Beobachter das nötige Fingerspitzengefühl zu, die Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft voranzutreiben. Keine leichte Aufgabe: Schließlich sitzen Francioni mächtige und ungeduldige Fonds im Nacken.

Frankfurt am Main - Reto Francioni wird schon sehr bald zwischen dem schweizerischen Städtchen Brugg im Kanton Aargau in der Nähe von Zürich und Frankfurt pendeln. Wie schon einmal. Bis zum Jahr 2000 war er stellvertretender Vorstandschef der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen und im Vorstand für das Herzstück der Börse, den Kassamarkt, verantwortlich; außerdem gilt er als Vater des inzwischen verrufenen Neuen Marktes.

Reto Francioni: Auf den neuen Chef der Deutschen Börse wartet eine schwierige Aufgabe
Der 50-jährige Börsenprofi aus der Schweiz hatte in seinen sieben Jahren im obersten Führungsgremium der Frankfurter Börse erfolgreich das elektronische Handelssystem Xetra eingeführt. Damit hatte er die Frankfurter Börse Ende der 90er Jahre während der Zeit der Kämpfe der Handelssysteme äußerst erfolgreich positioniert und die Voraussetzung für die Globalisierungsstrategie gelegt.

Dank der frühzeitigen Entwicklung und Implementierung von Xetra konnte die einstige Frankfurter Regionalbörse in die Riege der international führenden Handelsplätze aufsteigen und sogar zeitweilig Taktgeber für die Konsolidierungsbemühungen in Europa sein.

Francioni muss die Deutsche Börse gut positionieren

Die Konsolidierung der Börsen in Europa steht angesichts des weltumspannenden Handels mit Wertpapieren und damit einhergehend des globalen Wettbewerbs der Börsenplätze mehr denn je auf der Agenda eines jeden Börsenchefs. Die Deutsche Börse dabei gut zu positionieren, das ist die zentrale Aufgabe Francionis. An der Lösung dieses schwierigen Problems wird der Schweizer Manager bei seiner Rückkehr nach Frankfurt gemessen werden.

Zweimal schon, im Jahr 2000 und Ende vergangenen Jahres, hatte sich sein Vorgänger und früherer Vorgesetzer Werner G. Seifert an dem Vorhaben verhoben. Er musste im Mai auf Druck der neuen Herren der Deutschen Börse, den Hedgefonds, seinen Platz räumen.

Knapper Kommentar des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Börse, Kurt Viermetz, der den neuen Geist im Aufsichtsrat charakterisiert: "Seifert hat das Unternehmen in eine zweite Übernahmeschlacht geführt und keinen Erfolg gehabt. Daraus mussten Konsequenzen gezogen werden."

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