Freitag, 29. Juli 2016

ThyssenKrupp Abschied von den Mullahs

Auf seiner Hauptversammlung sorgte der Stahlkonzern ThyssenKrupp mit glänzenden Zahlen für Schlagzeilen - und mit einem Politikum. Um seine Geschäfte mit den USA nicht zu gefährden, drängte der Konzern den Vertreter des Iran aus dem Aufsichtsrat und brüskiert damit einen seiner wichtigsten Investoren.

Bochum - Nach 20 Dienstjahren ist eine Demission nichts ungewöhnliches, zumal Mohamad-Mehdi Navab-Motlagh nicht der einzige ist, der den Aufsichtsrat des Düsseldorfer ThyssenKrupp-Konzerns Börsen-Chart zeigen verlässt. Doch der Iraner geht nicht wirklich freiwillig.

ThyssenKrupp-Stahlwerk: Abschied vom langjährigen Großinvestor Iran
Ein kleiner Paragraph im amerikanischen Handelsgesetz zwingt ihn dazu. Unternehmen, die engere Handelsbeziehungen zu Schurkenstaaten unterhalten, haben mit Sanktionen zu rechnen, heißt es dort sinngemäß - Aufsichtsratschef Gerhard Cromme befürchtete "beachtliche wirtschaftliche Nachteile", Navab-Motlagh kam einem Rausschmiss zuvor.

Die Personalie wird zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt bekannt. Erst vor wenigen Tagen hatte das US-Magazin "New Yorker" berichtet, dass US-Geheimdienste Angriffsziele im Iran ausspähten, US-Präsident George W. Bush hatte einen Militärschlag gegen das Mullah-Regime nicht ausgeschlossen. Die Verbindung des Stahlkonzerns zu dem Gottesstaat stört die US-Behörden aber schon sehr viel länger.

Schon 2003 hatte Washington gedroht, den Konzern von neuen Geschäften im Lande auszuschließen, sollte die Beteiligung des Iran nicht bald unter fünf Prozent sinken und Navab-Motlagh nicht aus dem Aufsichtsrat ausscheiden. ThyssenKrupp hatte deshalb von den Mullahs 16,9 Millionen eigene Aktien zurückgekauft und damit ihren Anteil von 7,8 Prozent auf 4,5 Prozent gesenkt.

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Der Preis dafür war allerdings hoch. Insgesamt musste ThyssenKrupp dafür rund 406 Millionen Euro bezahlen, also pro Aktie etwas mehr als 24 Euro - ein beträchtlicher Aufschlag gegenüber dem Kurswert, der im vergangenen Jahr zwischen 13 und 18 Euro schwankte.

Als Nachfolger von Navab-Motlagh steht jetzt ein Professor aus Schanghai auf der Liste. Wan Gong ist Professor für Fahrzeugtechnik der Tongji-Universität. Von seinen Kontakten verspricht sich der Konzernvorstand viel. Schließlich steht bald die Entscheidung für die zweite Transrapid-Strecke zwischen Schanghai und Hangzhou an. ThyssenKrupp und Konzernchef Ulrich Middelmann sind eng mit der Tongji-Universität verbunden: Middelmann ist dort Ehrendoktor, der Konzern sponsert Lehrstühle.

Quartalsgewinn verdoppelt

Mit dem Ausscheiden Navab-Motlaghs aus dem Aufsichtsgremium ist das enge Verhältnis zwischen Iran und Krupp zu Ende. Mittelfristig rechnet man im Konzern jetzt mit einer Beendigung des Engagements des Irans. Den Ökonomen im Gottesstaat dürfte es nicht Leid tun. Denn insgesamt betrachtet hat sich das Engagement des Iran bei dem Stahlkonzern nicht gelohnt. Mehr als eine Milliarde DM hatte Teheran in zwei schweren Krisen 1974 und 1977 zunächst in den Teilkonzern Krupp Stahl und dann in die Fried Krupp GmbH investiert und dafür eine Beteiligung von 24,9 Prozent erhalten. Eine Dividende jedoch gab es nie.

Obwohl es dem Konzern mittlerweile glänzend geht. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2003/2004 verbuchte Thyssenkrupp ein Ergebnis vor Steuern von 1,58 Milliarden Euro. Dank des Stahlbooms stiegen Umsatz und Ergebnis deutlich. Seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2004/05 schraubte der Konzern deshalb nach oben.

Allein im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres stieg der Umsatz nach vorläufigen Zahlen von 8,5 auf 10,1 Milliarden Euro. ThyssenKrupp konnte den Gewinn vor Steuern im selben Zeitraum sogar mehr als verdoppeln.

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