Samstag, 23. September 2017

Bankgesellschaft Berlin Tausende Anleger vor Gericht

In einem der größten deutschen Bankenskandale gehen die Anleger zum Angriff über. Aus Angst um den Verlust von Einlagen und versprochenen Renditen werden am Mittwoch beim Landgericht Berlin rund 6500 Klagen mit Forderungen von 350 Millionen Euro gegen die Bankgesellschaft Berlin eingereicht.

Berlin - Bundesweit rechnet der Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz (AAA) mit etwa 10.000 Klagen mit Forderungen von 500 Millionen Euro. Grund für die juristischen Schritte ist, dass die Anleger trotz umfangreicher Garantien der Bankgesellschaft Berlin (BGB) um ihre Einlagen und die versprochenen jährlichen Ausschüttungen fürchten.

Bedenkliche Lage: Investoren fürchten um ihre Einlagen
Wie erst im Zuge der Berliner Bankenkrise herauskam, wurden über die Fonds Immobilien vermarktet, die teilweise nicht dem dargestellten Wert entsprechen. Deswegen besteht für Anleger die Gefahr, dass sie ihre Einlagen nicht wie versprochen nach 25 bis 30 Jahren zurückerhalten.

Nach Darstellung von AAA-Rechtsanwälten waren alle Versuche gescheitert, eine außergerichtliche Lösung mit der Bankgesellschaft Berlin zu erzielen beziehungsweise zumindest eine umfassende und belastbare Verzichtserklärung auf Einrede der Verjährung zu erlangen.

Die Bankgesellschaft wies diese Darstellung nachdrücklich zurück. Bereits im Oktober sei den Zeichnern der Fonds angeboten worden, auf eine Einrede bis 31. Dezember 2005 zu verzichten, sagte eine BGB-Sprecherin. In einem Schreiben vom 2. Dezember sei dieser Verzicht vom Konzern nochmals bestätigt worden. Die Bankgesellschaft werde nun abwarten, wie das Gericht entscheidet, sagte die Sprecherin. Klar sei, dass jeder Einzelfall einer Prüfung unterzogen werden müsse.

Wegen der zahlreichen Klagen werden die Aktenberge per Lkw beim Gericht angeliefert. Die Klageanlagen umfassen neben den Beweisunterlagen wie Fondsprospekte, Prospektprüfungsberichte, Geschäftsberichte oder bankinterne Gesprächsprotokolle auch für jeden Kläger eine eigene Schadenermittlung nebst Nachweisen von bis zu 30 Seiten - und dies alles in vierfacher Ausfertigung.

Die mehrheitlich landeseigene Bankgesellschaft war vor allem durch Missmanagement im Immobilienbereich in die Schieflage geraten. Das Land Berlin musste kurzfristig 1,7 Milliarden Euro zuschießen, um den Konzern vor der Pleite zu retten. Darüber hinaus musste das Land eine Bürgschaft über 21,6 Milliarden Euro abgeben, um die langfristigen Risiken des Immobiliengeschäfts abzusichern und die in den Fondsprospekten versprochenen Renditen zu sichern.

Holger Lunau, ddp.vwd

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