Dienstag, 20. November 2018

Nach zwei Jahren Ermittlungen Staatsanwaltschaft klagt Termühlen an

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat gegen den ehemaligen MLP-Vorstandsvorsitzenden Bernhard Termühlen und zwei weitere Ex-Manager Anklage erhoben. Ihnen wird Falschbilanzierung vorgeworfen, zudem besteht der Verdacht auf Insiderhandel. An der Börse gerät die Aktie unter Druck.

Mannheim - Wegen Verdachts auf Bilanzfälschung hat die Staatsanwaltschaft Mannheim Anklage gegen den früheren MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen erhoben. Neben Termühlen wurde auch der frühere kaufmännischen Leiter des Finanzdienstleisters sowie ein Vorstand der MLP Lebensversicherung wegen des Verdachts der unrichtigen Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse von Kapitalgesellschaften beziehungsweise der Beihilfe dazu angeklagt, wie Sprecherin Christina Arnold am Freitag mitteilte. Über die die Höhe des möglichen Schadens wurden keine Angaben gemacht.

Bernhard Termühlen , früherer Vorstandschef vom Finanzdienstleister MLP
Den Angeklagten werde zur Last gelegt, die Jahresabschlüsse der MLP AG, der MLP Lebensversicherung AG und der MLP Finanzdienstleistungen AG für das Geschäftsjahr 2001 bewusst unrichtig aufgestellt zu haben, um die Ertragslage und das Wachstum der Unternehmen in günstigerem Licht erscheinen zu lassen. Erlöse aus verkauften Forderungen und Rückversicherungsprovisionen seien als Gewinne ausgewiesen worden, während ihnen gegenüberstehende Rückzahlungsverpflichtungen nicht in die Bilanz aufgenommen worden seien.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft besteht weiter der Verdacht, dass im Rahmen der Halbjahresberichterstattung der MLP AG 2002 in unzulässiger Weise Erträge des zweiten Halbjahres aus Verkäufen an die Uniqa-Gruppe bereits in den ersten sechs Monaten ausgewiesen worden seien. Zudem soll die Hauptversammlung im Mai 2002, die über eine Kapitalerhöhung entscheiden sollte, unzutreffend unterrichtet worden sein. Dabei sei im Vorstandsbericht wahrheitswidrig behauptet worden, insbesondere MLP Leben habe im Jahr 2001 den geplanten Jahresüberschuss übertroffen. Daneben wird dem ehemaligen kaufmännischen Leiter Insiderhandel vorgeworfen.

Ein Termin für die Verhandlung vor dem Landgericht Mannheim stand zunächst nicht fest. Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Ermittlungen im Jahr 2000 auf Grund einer Strafanzeige aufgenommen.

Aktie nach Klage unter Druck

Der Markt hat auf die Nachricht mit einem Kursabschlag reagiert. Im Mittagshandel rutschte die Aktie Börsen-Chart zeigen um mehr als 3 Prozent auf 14,80 Euro ab. Aus der Prüfung des Verdachts auf Bilanzmanipulationen sei nun eine Klage gegen den Ex-Vorstand geworden, das sei eine neue Qualität, heißt es dazu im Handel. Der Verdacht des Insiderhandels sollte dagegen Einzelpersonen treffen und nicht das Unternehmen selbst.

Termühlen war im Oktober 2003 von seinem Amt als Chef des Heidelberger Finanzdienstleisters zurückgetreten. Seitdem ist Uwe Schroeder-Wildberg der neue Konzernchef. Termühlen, einst Kronprinz des Konzerngründers Manfred Lautenschläger, war vorgeworfen worden, die Vermögensverhältnisse in den MLP-Bilanzen unrichtig dargestellt zu haben. So habe das Unternehmen Provisionseinnahmen aus Lebensversicherungen an Rückversicherer verkauft und dadurch die gegenwärtigen Erlöse zu Ungunsten künftiger Erlöse erhöht.

Ob dieses so genannte Factoring-Geschäft, das etwa bei Versicherungen nicht unüblich ist, tatsächlich gegen das Bilanzierungsgesetz verstößt, ist noch immer umstritten. MLP hatte diverse Gutachten renommierter Bilanzexperten vorgelegt, die darstellten, dass die damalige Rechnungslegung nicht gegen das Gesetz verstoßen habe.

MLP: Keine finanziellen Belastungen durch Klage

MLP selber sieht sich durch die Klage gegen Termühlen finanziell nicht beeinträchtigt. "Eine finanzielle Belastung für MLP wird es nicht geben", sagte ein Sprecher des Unternehmens am Freitag. Die Klage der Staatsanwaltschaft Mannheim richte sich gegen Personen und nicht das Unternehmen.

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