Montag, 10. Dezember 2018

Thilenius-Kolumne Anlegerschutz auf russisch

Anlegerschutz ist in Russland ein Fremdwort. Ein amerikanischer Geschäftsmann schickt sich an, das zu ändern. Besonders genau schaut er hin, wenn es um den Ölmulti Gazprom geht.

Aktionärsschützer, vor allem in USA und Europa, haben sich um die Aktienkultur große Verdienste erworben. Ihre Aufgabe ist es, die Rechte der Minderheitsaktionäre zu stärken und jede Art von Missbrauch durch Großaktionäre oder das Management zu verhindern. Die verschiedenen Skandale der letzten Jahre, ob Enron und Worldcom in USA oder am neuen Markt bei uns, haben die Bedeutung dieser Tätigkeit unterstrichen.

Gazprom: Großes Interesse am Yukos-Kerngeschäft
Ein Land, aus dem wir bisher noch nicht sehr viel zum Thema Anlegerschutz gehört haben, ist Russland. Die politischen Verhältnisse dort sind - gelinde gesagt - etwas anders als in den europäischen und amerikanischen Rechtsstaaten. Wer den Mund zu weit aufmacht oder gar einer von der Regierung nicht geschätzten politischen Partei eine Spende zukommen lässt, muss damit rechnen hinter Gittern zu verschwinden.

William Browder, einen tapferen Amerikaner mit russischen Vorfahren, ficht all dies nicht an. Browder interessiert sich besonders für die Zustände in der russischen Ölindustrie. Auch ganz nüchterne Beobachter fragen sich gelegentlich, ob bei den Kleinaktionären der großen russischen Unternehmen auch genauso viel Gewinn ankommt, wie das Unternehmen erwirtschaftet.

Besonders interessiert sich Browder für das Riesenkonzern Gazprom Börsen-Chart zeigen. Gazprom ist der größte Gas- und Ölbesitzer der Welt und hat eine sehr niedrige Bewertung. Die Aktien werden mit 49 Cent pro Barrel notiert, während der Aktionär bei Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen 14,50 Dollar für ein Barrel Reserven bezahlen muss. Dies zeigt, dass Gazprom als sehr preiswert gilt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Erträge für das Jahr 2005 liegt bei 6,4 und damit gerade einmal halb so hoch wie für die großen internationalen Ölunternehmen.

Browder weist darauf hin, dass dies nach dem Verdunsten und Versickern von Öl, Gas oder Geld auf einer Art Nettobasis ist. Browder hat unter anderem herausgefunden, dass ein Unternehmen Namens UralTransGas einen Vertrag zum Transport von Gazprom-Gas in die Ukraine hat. Getan hat UralTransGas nichts. Es fungierte lediglich als Gesellschaft auf dem Papier - die für das Nichtstun von den 1,2 Milliarden Dollar für den Transport in die Ukraine 750 Millionen bekam.

Nachdem Browder die Zustände in aller Öffentlichkeit anprangerte, wird bemerkenswerter Weise der Vertrag mit UralTransGas zum 1. Januar 2005 beendet. Hier sieht der staunende westliche Kleinaktionär, dass Mut und Beharrlichkeit sogar in Russland zu mehr Transparenz und damit höheren Gewinnen für Kleinaktionäre führen kann.

Der langfristige Aktionär, der auf weiterhin hohe Energiepreise setzt und ein Engagement in Russland nicht scheut, kann einen Teil seines Energieportfolios durchaus in Gazprom investieren. Politisch gilt Gazprom als regierungsfreundlich und hat daher nicht die politischen Schwierigkeiten zu befürchten, die derzeit zur Zerschlagung des Yukos-Konzerns Börsen-Chart zeigen führen.

Pikant ist dabei freilich, dass Gazprom zu den wahrscheinlichen Bietern für ein Kernstück des Yukos-Konzerns gehören wird. Falls Gazprom bei der anstehenden Versteigerung den Zuschlag erhält, wird das Unternehmen für wenig Geld einen großen Zuwachs an Produktionskapazität und Reserven erzielen. Der aufmerksame Aktionär sollte sich in den nächsten Tagen den Gazprom-Kurs genau ansehen. Falls dieser schon im Vorfeld der Versteigerung anzieht, empfiehlt sich auch ein kurzfristiges Engagement.

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