Dienstag, 22. Januar 2019

Lebensversicherer Die stille Last

Deutsche Lebensversicherer haben im Zuge der Aktienkrise Milliarden Euro am Kapitalmarkt verbrannt. Gut ein Viertel der Assekuranzen hat die Folgen immer noch nicht verdaut und leidet unter stillen Lasten. Doch die Branche kommt voran.

Hamburg - Während der Aktienkrise in den Jahren 2000 bis 2002 hatten die deutschen Lebensversicherer rund 100 Milliarden Euro an der Börse verloren. Allein 2002 betrugen die Verluste mit Kapitalanlagen rund 51 Milliarden Euro. Hätten die Unternehmen die Wertverluste sofort und jedes Jahr abschreiben müssen, viele der Assekuranzen gäbe es heute vermutlich nicht mehr. Stattdessen bildeten sie "stille Lasten" und schieben diese seit Jahren vor sich her. "Still" heißen sie deshalb, weil die unterlassenen Abschreibungen die Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens noch nicht belasten. Beim Abbau dieser Lasten kommt die Assekuranz voran, hat der jüngste Map-Report analysiert - wenn auch langsamer als gedacht.

 Milliarden verbrannt: Deutsche Lebensversicherer hatten mit ihren Kapitalanlagen während der Aktienkrise horrende Verluste eingefahren
[M]mm.de
Milliarden verbrannt: Deutsche Lebensversicherer hatten mit ihren Kapitalanlagen während der Aktienkrise horrende Verluste eingefahren
Rund 16 Milliarden Euro an stillen Lasten drückten auf die Lebensversicherer im Jahr 2002. Ende vergangenen Jahres waren es noch knapp fünf Milliarden Euro, mit zwei bis drei Milliarden Euro hatte "Map-Report" gerechnet. Einige Unternehmen dürften sich deshalb erneut veranlasst sehen, die Verzinsung der Policen auch für das kommende Jahr zu senken. Wegen der extremen Talfahrt an den Börsen hatten die Lebensversicherer zwischen 2001 und 2004 die durchschnittliche Gesamtverszinsung von 7,1 Prozent auf 4,4 Prozent gesenkt.

Die Masse der Gesellschaften hat nach Ansicht von Map-Report-Chef Manfred Poweleit die Aktienkrise aber überwunden, wie der Analyst unlängst im Gespräch mit manager-magazin.de erklärte. Den seit einigen Jahren währenden Abwärtstrend bei der Verzinsung von Lebensversicherungen hält er jedenfalls für gestoppt. Einige Unternehmen dürften die Überschussbeteiligung zum Ende des Jahres sogar geringfügig erhöhen, so Poweleit.

Nach jüngsten Berechnungen des Branchendienstes betrugen die stillen Lasten der deutschen Lebensversicherer in 2003 rund 21 Prozent ihrer so genannten Sicherheitsmittel. Diese bestehen aus dem Eigenkapital und den freien Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB), sozusagen der Gewinntopf der Versicherten. Im Jahr zuvor hatte der Wert noch bei rund 78 Prozent gelegen, heißt es in dem Report.

Zugleich sei die Zahl der Lebensversicherer, die noch stille Lasten ausweisen, von 57 auf 36 Unternehmen in 2003 gefallen. Laut Map-Report waren Ende vergangenen Jahres drei von vier Assekuranzen frei von stillen Lasten. Anders formuliert: Gut ein Viertel der rund 120 Lebensversicherer in Deutschland hat den Aktiencrash noch nicht gänzlich verdaut.

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