Dienstag, 20. Februar 2018

Bulthaupt-Kolumne Inflation - die Elster am Aktienmarkt

Aktien, so lehrt es die historische Nachkriegserfahrung, stellen den besten Schutz gegen Inflation dar. Doch diese These stellt sich bei genauerer Betrachtung als Illusion heraus. Inflation ist wie die diebische Elster. Sie entführt Aktienperformance.

Dekaden ist es her, als Inflation noch ein Phänomen war, bei dem die Brieftaschen immer voller und die Einkaufstaschen immer leerer wurden. Demgegenüber empfindet man die gegenwärtigen Preissteigerungsraten - im Euroraum in Höhe von 2,4 Prozent, Tendenz sinkend, und in den USA in Höhe von 3,3 Prozent, Tendenz seitwärts - als wohltuend für Planungssicherheit und Vermögenserhalt. Aber wie verhält es sich mit der Performance von Aktien? Ist Preisstabilität Segen oder Fluch für den Aktienmarkt?

An der Börse wirkt sich Inflation langfristig negativ auf die Performance von Aktien aus
Zur Beurteilung der Inflationswirkungen auf den Anlageerfolg von Aktien greifen Investoren häufig auf die Erfahrungen unmittelbar nach den beiden Weltkriegen zurück. Jene Perioden waren in Europa durch drastische Geldentwertungen gekennzeichnet. Hierbei waren Aktionäre in deutlich geringerem Maße von Inflation und Währungsreformen betroffen als beispielsweise Inhaber festverzinslicher Wertpapiere oder von Bargeld, die ihr Kapital teilweise völlig verloren haben.

Eignen sich Aktien als Inflationshedge?

Aus diesen Erfahrungen wird häufig abgeleitet, Aktien stellten einen hervorragenden Schutz des Vermögens vor Inflation dar. Denn, so wird argumentiert, Aktien beziehen sich letztlich auf den Gegenwert des unternehmerischen Sachkapitalstocks, dessen realer Wert durch Inflation nicht berührt würde. Außerdem, so die These, erhöhen sich mit steigenden Preisen auch die Unternehmensgewinne, die Dividendenzahlungen und infolgedessen auch die Aktienkurse.

So bestechend einfach diese Argumentation auch ist, sie stellt sich bei genauem Blick leider als Illusion heraus. Denn die Erfahrung der vergangenen Dekaden zeigt, dass Inflation längerfristig die reale Aktienperformance dämpft. Aber worin liegt dieser negative Zusammenhang begründet?

Inflation beeinträchtigt Gewinnmargen

Können Unternehmen tatsächlich in inflationären Zeiten ihre Gewinnmargen aufrechterhalten oder gar ausweiten? Zweifel sind angebracht. Unternehmer müssen im Rahmen ihrer Preispolitik die Reaktion der Nachfrager im Auge behalten. In Zeiten steigender Inflation neigen diese aber verstärkt dazu, mehr Zeit für Preisvergleiche und Alternativangebote zu investieren. Ein preiserhöhendes Unternehmen läuft dann schnell Gefahr, Marktanteile zu verlieren. Infolgedessen betreibt es eine zurückhaltendere Preispolitik mit der Folge sinkender Gewinnmargen. Die Stückgewinne geraten in einem inflationären Umfeld unter Druck.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH