Mittwoch, 14. November 2018

Wella P&G übernimmt Kontrolle

Großaktionär Procter & Gamble hat mit einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag die Kontrolle bei Wella übernommen. Für die kritischen Minderheitsaktionäre soll es eine Barabfindung geben.

Darmstadt - Der Wella-Aufsichtsrat habe dem Vertrag zugestimmt, teilte Wella am Montag in einer Pflichtmitteilung mit. Procter & Gamble (P&G) Börsen-Chart zeigen werde den außen stehenden Aktionären von Wella eine Barabfindung anbieten. Das Angebot betrage sowohl für die Stammaktien als auch für die Vorzugsaktien 72,86 Euro. Die Hauptversammlung von Wella müsse dem Vertrag noch zustimmen.

 Barabfindung angeboten: Wella-Miderheitsaktionäre haben einen Etappensieg erzielt
Barabfindung angeboten: Wella-Miderheitsaktionäre haben einen Etappensieg erzielt
Alternativ zur Barabfindung seien die Minderheitsaktionäre berechtigt, von P&G eine jährliche Ausgleichszahlung von 3,81 Euro je Stammaktie und 3,83 Euro je Vorzugsaktie zu erhalten. Zugleich teilte Wella mit, dass Finanzvorstand Martin Tresser mit Ablauf seines Vertrages Ende Mai das Darmstädter Unternehmen verlassen werde.

Wella-Vorstand wird zum Weisungsempfänger

Künftig übernehme Alfred Krämer das Finanzressort zusätzlich zu seiner Verantwortung als Personal- und Arbeitsdirektor. Neu in den Vorstand rückt Thomas Clausen, der dort für das Ressort Supply Chain und für Forschung & Entwicklung verantwortlich sein soll.

Mit dem Beherrschungs- und Gewinnführungsvertrag werde die Zusammenarbeit zwischen Wella und P&G gestärkt, hieß es aus Darmstadt. Mit dem Eintrag des Vertrages in das Handelsregister werde P&G die Kontrolle über Wella erhalten und berechtigt sein, dem Wella-Vorstand Weisungen zu erteilen. Auf Grund der Vereinbarung werde die Hauptversammlung auf den 8. Juni verschoben. Ursprünglich war dafür der 13. Mai anberaumt worden.

Minderheitsaktionäre: Barabfindung zu niedrig

Der US-Konsumgüterriese P&G hatte Wella vergangenes Jahr für 5,6 Milliarden Euro übernommen. Einige Wella-Vorzugsaktionäre hatten das Übernahmeangebot jedoch als zu niedrig erachtet und versuchen, mit gerichtlichen Mitteln eine Nachbesserung zu erreichen. Bei der Wella-Übernahme hatte P&G die notwendige Schwelle von 95 Prozent für das Hinausdrängen der Minderheitsaktionäre (Squeeze Out) nicht erlangt und hielt früheren Angaben zufolge 80 Prozent des Wella-Kapitals.

Die Minderheitsaktionäre der Wella AG haben den Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Procter & Gamble als Etappensieg verbucht. Dies habe man seit Monaten gefordert, sagte ein Sprecher der Minderheitsaktionäre. Nachdem man über das "ob" eines solchen Vertrages gesprochen habe, müsse nun aber noch über das "wie" geredet werde, sagte er mit Blick auf die angebotene Barabfindung. Die von P&G in Aussicht gestellten 72,86 Euro je Aktie seien zu wenig.

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