Samstag, 23. Februar 2019

Volkswagen Gerüchte um Kapitalerhöhung

Kein guter Tag für VW-Aktionäre. Goldman Sachs stuft den Titel ab, der Euro steigt in luftige Höhen und der Vorstand gibt eine verhaltene Prognose für 2004 ab. Als wäre das nicht schon genug, drückten am Dienstag auch noch Gerüchte um eine Kapitalerhöhung die Aktie tief in die Verlustzone.

Frankfurt/London/Detroit - Die Aktie von Volkswagen Börsen-Chart zeigen hat am Dienstag rund 4,50 Prozent verloren und ging damit als schwächster Wert im Dax Börsen-Chart zeigen aus dem Handel. Gleich eine ganze Reihe von Faktoren belasteten nach Angaben von Händlern den Wert.

Vorstandschef Pischetsrieder zeigt sich vor allem für den deutschen Markt wenig optimistisch
Zum einen hatten die Analysten von Goldman Sachs am Dienstag die Aktie von "In-Line" auf "Underperform" abgestuft. Zum anderen drückte ein erneut starker Euro, der im Handelsverlauf die Marke von 1,28 US-Dollar durchbrach, auf die Titel des stark exportorientierten Unternehmens.

Am Nachmittag erreichten zudem Gerüchte den Markt, Volkswagen plane angebliche eine Kapitalerhöhung. "Wir haben nicht vor, eine Kapitalerhöhung zu platzieren", erwiderte ein Unternehmenssprecher. Schließlich hatte Volkswagen auf der Automotorshow in Detroit einen nur verhaltenen Ausblick auf das Jahr 2004 abgegeben, was die Investoren offenbar zusätzlich verstimmte.

Gewinn hat sich 2003 mehr als halbiert

Nach der Halbierung des Gewinns im vergangenen Jahr will Europas größter Autohersteller Volkswagen indes nach eigenen Angaben bis 2006 beim operativen Gewinn an das Rekordniveau aus dem Jahr 2001 von 5,4 Milliarden Euro anknüpfen. Rein rechnerisch müsste VW damit im Vergleich zum Jahr 2003 allerdings etwa drei Milliarden Euro zulegen. Für den deutschen Markt dämpfte Vorstandschef Bernd Pischetsrieder allerdings die Erwartungen. Hier sehe er sehe noch nicht die erhoffte Belebung.

Finanzchef Hans Dieter Pötsch sagte, die bei Volkswagen angewandte Modulstrategie, bei der gleiche Bauteile für verschiedene Modelle verwandt werden, solle mindestens eine Milliarde Euro zu der geplanten Gewinnsteigerung beitragen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2003 hat VW wegen diverser Belastungen unter anderem durch den hohen Euro-Kurs und zahlreicher Modellanläufe sowie Sonderabschreibungen seinen 2002 erreichten operativen Gewinn von 4,7 Milliarden Euro wie prognostiziert mehr als halbiert.

Stabile Nachfrage auf niedrigem Niveau erwartet

Mit Blick auf die Entwicklung der weltweiten Automobilkonjunktur ergänzte Pötsch, Volkswagen erwarte 2004 eine stabile Nachfrage auf zum Teil unbefriedigendem Niveau in Westeuropa (ohne Deutschland). Nordamerika dürfte sich in diesem Jahr ebenfalls stabil entwickeln, Südamerika zu stabileren Verhältnissen vor allem in Brasilien zurückkehren.

Pischetsrieder für Deutschland wenig optimistisch

VW-Chef Pischetsrieder sagte, er sehe noch keine Anzeichen dafür, dass sich der Markt in Deutschland belebe. "Es ist das erste Mal, dass ich erlebe, dass ein Aufschwung überall stattfindet, nur nicht in den Auftragsbüchern", sagte der VW-Chef. "Früher war es umgekehrt, da waren die Bücher (zu Anfang eines Aufschwungs) gefüllt, und einige Hersteller hatten noch Kurzarbeit angemeldet." Derzeit sei die Konsumzurückhaltung und die daraus resultierende hohe Sparrate in Deutschland das wesentliche Hindernis für eine rasche Belebung der Nachfrage.

"Das hat wenig mit Fakten zu tun, sondern damit dass die Leute das Gefühl haben, dass ihnen das Geld knapp werden könnte." Wenn sich dieser Knoten erst einmal löse, werde die Nachfrage wahrscheinlich explodieren, vermutete Pischetsrieder. Allerdings sei nicht abzusehen, wann dieser Zeitpunkt kommen werde.

US-Absatz fiel 2003 deutlich zurück

Im abgelaufenen Geschäftsjahr verkaufte der Volkswagen-Konzern weltweit nach Angaben eines Unternehmenssprechers wieder etwas mehr als fünf Millionen Fahrzeuge. "Die fünf Millionen sind überschritten", sagte der Sprecher. 2002 war der Konzernabsatz erstmals seit längerem leicht unter die Marke von fünf Millionen gesunken. Auf dem wichtigen US-Markt verkaufte VW im vergangenen Jahr gut zehn Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor.

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