Freitag, 20. Juli 2018

Bulthaupt-Kolumne Wann erreicht der Dax 8000 Punkte?

Nach drei Jahren Kursschmelze peilt der Deutsche Aktienindex für dieses Jahr eine beeindruckende Jahresperformance von rund 25 Prozent an. Das Lager der Optimisten wird größer. Erneut wird die Frage diskutiert, bis wann der Index seine alten Höchststände vom Frühjahr 2000 wieder erreichen kann.

Im Frühjahr 2000 stand das Börsenbarometer bei 8000 Punkten. Wann werden wir diese Marke wieder erreichen? Verständlicherweise hinterlässt der Finanzmarktalltag mit seiner Konkurrenz unterschiedlichster Prognosen in der Öffentlichkeit den Eindruck der Ungewissheit und Nicht-beantwortbarkeit der Ausgangsfrage.

 Frank Bulthaupt , Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
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Frank Bulthaupt, Aktienmarktexperte der Dresdner Bank, schreibt regelmäßig für manager-magazin.de
Seine Tiefenschärfe erreicht dieser Eindruck durch den Kontrast der jeweils mitgelieferten Erklärungen und Szenarien. Trotz dieses Eindrucks entwickeln sich Aktienkurse langfristig nicht rein zufällig.

Hauptverantwortlich für das Ausmaß der diesjährigen Kurssteigerung waren weniger fundamentale Entwicklungen, sondern vor allem der weitgehende Abbau von Unterbewertungen an den Aktienmärkten. Dieser Normalisierungsprozess wird sich zwar noch teilweise im kommenden Jahr fortsetzen, jedoch gibt es keine Hinweise, dass sich die absehbar überdurchschnittliche Performance des Jahres 2003 wiederholt. Eher sollte man sich für 2004 auf eine Halbierung der Performance einstellen.

Die langfristige Gewinnentwicklung

Und jenseits von 2004? Die Genese einer Vielzahl von Risiko- oder Wunschhypothesen ist für die Abschätzung des Langfristtrends nicht zielführend. Denn im längerfristigen Durchschnitt entwickeln sich Aktienkurse parallel zur unternehmerischen Gewinnentwicklung. Um den Zeitpunkt des Erreichens der 8000er-Marke abzuschätzen, benötigt man infolgedessen Vorstellungen über die zukünftige Gewinnentwicklung, möglicherweise für die kommenden zehn Jahre.

Bei dieser Vorstellung lässt sich ein Schmunzeln kaum verkneifen, zumal Analysten bekanntlich mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, Gewinne für ein Jahr im Voraus zu prognostizieren. Aber dennoch: Wagen wir einen Versuch.

(Welt-)Wirtschaftswachstum bestimmt Aktienkurse

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive sind die aggregierten Gewinne der Kapitalgesellschaften Bestandteil des gesamtwirtschaftlichen Einkommens, das eng an das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gekoppelt ist. Zwar unterliegen Unternehmensgewinne innerhalb eines Konjunkturzyklus erheblichen Schwankungen. Da sich aber die Gewinnquote um einen festen Mittelwert bewegt, liefert im Durchschnitt das BIP-Wachstum einen Korridor für die künftige Gewinnentwicklung.

Die längerfristigen Einschätzungen für das Wirtschaftswachstum der großen Wirtschaftsregionen USA und Europa sind vergleichsweise stabil und werden sich weiter in Richtung Trendwachstum bewegen. Allerdings werden die US-Wachstumsraten der zweiten Hälfte der neunziger Jahre von dauerhaft über 4 Prozent (real) wohl in absehbarer Zeit keine Renaissance erleben.

7 Prozent pro Jahr sind möglich

In diesem realwirtschaftlichen Umfeld könnte ab 2005 durchschnittlich eine von 9 Prozent auf 7 Prozent abfallende Jahresperformance erreicht werden. Da unsere Generation nach den Erfahrungen der vergangenen drei Jahre nicht noch einmal einer unbegründeten Börseneuphorie verfallen wird, können wir auf einen zusätzlichen Börsenturbo wohl nicht hoffen.

Rekordmarke erst im nächsten Jahrzehnt

Diese Überschlagsrechnung ergibt für Ende 2010 - bei aller Vorsicht - einen Dax von 6000 bis 7000 Punkten. Wir wollen die weitere Hochrechnung nicht überstrapazieren. Aber neue Rekordwerte von über 8000 sollten wir erst im nächsten Jahrzehnt erwarten. Eines steht fest: Für die Zielflagge 8000 benötigen wir noch einen langen Atem.

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