Samstag, 20. Oktober 2018

Verfallstermin Wenn die Hexen Sabbat feiern ...

An jedem dritten Freitag im letzten Monat eines Quartals ist Walpurgisnacht auf dem Parkett. Dann treffen sich die Hexen zum Tanz an der Börse und sorgen für hektische Ausschläge im Wertpapierhandel.

Frankfurt am Main - Der sogenannte "Hexensabbat" ist gefürchtet, führt er doch dazu, dass es an der Börse immer wieder zu spektakulären Kapriolen bei ungewöhnlich hohen Umsätzen kommt. Ursache dieses Phänomens ist der "dreifache Verfallstag". An diesen Tagen verfallen an der Eurex, dem Terminmarkt der Deutschen und Schweizer Börse, gleichzeitig

  • der Future auf den Dax
  • die Optionen auf den Dax
  • die Optionen auf Aktien
Dabei handelt es sich um Termingeschäfte, einer Art Wette auf den zukünftigen Verlauf der Indizes beziehungsweise Aktien.

Geschäfte zur Spekulation und zur Kursabsicherung

Professionelle Marktteilnehmer nutzen dieses Instrument einerseits für Spekulationen mit der zukünftigen Entwicklung eines Index', einer Aktie oder einer Anleihe, andererseits dient der Future- und Optionsmarkt zur Kursabsicherung von Wertpapierbeständen. Die Terminbörse Eurex führt diese beiden Interessen auf einem Markt zusammen.

Die Schwankungen sind am "Hexensabbat" enorm hoch
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Die Schwankungen sind am "Hexensabbat" enorm hoch
Der Unterschied zwischen Futures und Optionen: Bei Futures muss der Kontrakt eingelöst werden, bei Optionen darf der Besitzer des Papiers wählen, ob er ausüben will oder nicht. So kann der Käufer einer Kaufoption darauf bestehen, dass der Verkäufer, der auch "Stillhalter" genannt wird, die Aktien zu einem vorher vereinbarten Preis liefert.

Sinnvoll ist eine solche Forderung immer dann, wenn der Kurs zum Verfallstermin über dem (beim Kauf festgelegten) Basispreis liegt. Für den Stillhalter kann das teuer werden: Er muss die Papiere, um sie vereinbarungsgemäß liefern zu können, zu einem hohen Kurs an der Börse kaufen und zu einem niedrigeren Kurs an seinen Geschäftspartner weitergeben.

Die Terminkontrakte auf den Index werden bis 13 Uhr gehandelt, die Optionen auf deutsche Aktien dagegen bis 20 Uhr. Händler an der Eurex gehen dabei fast sekündlich neue Positionen ein und müssen diese korrigieren, falls sie sich irren. Im positiven Fall könnten sie Gewinne verbuchen. "Der Terminmarkt verhält sich dabei neutral", erklärte ein Analyst einer bayerischen Bank. Akteure an der Eurex versuchten, aus jeder Kursbewegung Gewinn zu schlagen.

Handelsvolumen verdoppelt

Die Richtung der Kursbewegung ist dabei bis zum endgültigen Verfallstermin offen - die Stunde davor wird daher auch "Geisterstunde" genannt.

Da sich die Eurex-Händler jedoch laufend am Kassamarkt eindecken müssen, um ihre Positionen zu korrigieren, kommt es an diesem Tag nicht nur zu kräftigen Kursaufschlägen, sondern auch zu überdurchschnittlichen Handelsvolumina am Kassamarkt.

Wegen der hohen Umsätze zucken Dax und Aktienkurse in der Regel am "Hexensabbat" noch etwas länger als an normalen Tagen. Der endgültige Dax-Schlusskurs steht deshalb meist nur mit mehreren Minuten Verzögerung fest.

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